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"Das Verschwinden der Eleanor Rigby" im Kino:Unüberbrückbare Differenzen

William Hurt, Isabelle Huppert, Jessica Chastain, Wyatt Ralff, Jess Weixler (v.l.n.r.) in einer Szene von "Das Verschwinden der Eleanor Rigby".

In ihrer Familie findet Eleanor Rigby (Dritte von links) den nötigen Rückhalt. (William Hurt, Isabelle Huppert, Jessica Chastain, Wyatt Ralff, Jess Weixler (v.l.n.r.)).

(Foto: Prokino Filmverleih)

Conor will mit Eleanor reden, taucht bei ihren Eltern auf, aber die Mutter schirmt Eleanor ab. Eleanor geht wieder zur Uni und versucht, da wieder anzuknüpfen, wo sie aufgehört hat, als sie Conor getroffen hat. Man muss sich hier viel selbst zusammenreimen - was ist passiert zwischen dem Abend im Restaurant und Eleanors Sprung von der Brücke? Was ist das für eine schreckliche Sache, über die keiner sich zu reden traut?

Es ist dann bald klar, dass die beiden einmal ein Kind hatten - und die Beziehung daran zerbrochen ist, dass sie mit dem Schmerz des Verlusts komplett unterschiedlich umgehen: unüberbrückbare Differenzen.

Das Schweigen, die Heimlichtuerei setzen sich fort, in beiden Familien, auch die Großeltern dürfen nicht reden über das tote Kind. Bei Conor ist das so, weil er sich beim Verdrängen ungern stören lässt; und um Eleanor haben, weil ihr Schmerz so viel sichtbarer ist, immer alle Angst.

Was Ned Benson da versucht, das ist ein ziemliches Mammut-Projekt - zumal "Das Verschwinden der Eleanor Rigby" sein erster Film ist. Szenen einer Ehe, fokussiert auf die Bedeutung unterschiedlicher Sichtweisen.

Besonders für ein Regiedebüt ist "Eleanor Rigby" dann wirklich sehr komplex und sehr stimmig - was auch immer hier nicht in Ordnung ist, ein bisschen schlecht gewählte, viel zu plakative Musik beispielsweise, ist nebensächlich und Sache der Postproduktion.

Genaugenommen drei Filme

Genau genommen sind es Ned Bensons drei ersten Filme, und "Eleanor Rigby" ist größer als das, was wir nun in den deutschen Kinos zu sehen bekommen. Die ersten beiden Fassungen hatten noch den Zusatz "His" und "Hers", sie wurden im Herbst 2013 in Toronto vorgestellt.

Was nun gezeigt wird ist "Them" - ein Zusammenschnitt aus beiden, eine handliche Version sozusagen, wie sie sich die Weinstein Company, die den Film in den USA vertreibt, gewünscht hatte - in Cannes im vergangenen Frühjahr stellte Benson die zusammengefügte, gekürzte Fassung vor, in der Reihe Un certain regard.