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Das ist schön:Fette Beute

Martin Kušej bleibt, und das ist gut so

Von Egbert Tholl

Martin Kušej hat seinen Vertrag als Intendant des Residenztheaters bis 2021 verlängert. Das ist schön. Es ist schön, weil man seit etwa eineinhalb Spielzeiten so richtig spüren kann, wo Kušej künstlerisch hin will. Und auf diesem Weg gibt es noch viel anzuschauen, er ist noch längst nicht angekommen. Der Spielplan für die kommende Saison wirkt da zunächst unaufgeregt. Aber erstens sind da ein paar Riesenstücke darunter, und zweitens spürt man das Urvertrauen, das Martin Kušej zu seinem Ensemble hat. Es braucht keine Sensationen, um gutes Theater zu machen. Es geht auch manchmal über Beharrlichkeit.

Die Konsistenz eines Ensembles hängt immer am Intendanten. Im Laufe von Kušejs Intendanz hat sich dieses am Residenztheater verändert. Gar nicht mal so sehr in der Zusammenstellung. Gut, ein paar Stars tauchen gar nicht mehr oder nur noch als Gäste auf - Kušej bei der Pressekonferenz zur nächsten Saison: "Wenn Sie Frau Minichmayr sehen, grüßen Sie sie schön." Das Tolle ist: Am Resi ist etwas zusammengewachsen. Da braucht es keine Stars, die sind ja da. Anfangs Unscheinbare wurden zu Riesen, und man spürt, dass sich die Schauspieler untereinander immer besser kennen. Da kann man doch weitermachen. Zwar geht eine weg, leider, leider: Andrea Wenzl, die Urösterreicherin, wechselt nach Wien. Aber dafür hat Kušej, wie er selbst sagt, "Beute" gemacht: In der Folge seiner "Jagdszenen aus Niederbayern"-Inszenierung an den Kammerspielen bringt er von dort zwei Schauspieler mit, Gundi Ellert und Jeff Wilbusch.

Im Grunde war es doch die letzten Jahre schon so: Wofür Berlin sechs, sieben Häuser braucht, reichen München zwei. Nimmt man dann noch das Volkstheater dazu, dann verfügt München sogar über eine Farbe des Theaterlebens, die es in der Hauptstadt überhaupt nicht gibt. Und eben: Simons und Kušej bespielten einen ästhetischen Raum, der ungemein viel abdeckte. Wenn nun Matthias Lilienthal die Kammerspiele übernimmt, wird dieser Raum noch mehr ausgedehnt, auch anders werden. Und schon deshalb ist es gar nicht schlecht, dass Kušej erst einmal beharrt, sondiert, das eigene Tun überprüft. Dafür widmet er sich voll dem Intendanten-Dasein: Er selbst inszeniert nur ein Stück, Tschechows "Iwanow". Und wird nirgendwo anders inszenieren. Der Mann ist angekommen in seinem Job. Also weiter!

© SZ vom 02.05.2015
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