Das ist schön Dem Himmel so nah

Monika Drasch hilft lutherischen Mitbürgern

Von Egbert Tholl

Der katholische Altbayer vertritt gegenüber dem Protestanten eine grundsätzliche Haltung: Mitleid. Wo der Protestant unter der Schuld der Welt ächzt und alles richtig machen will, was er nicht richtig machen kann, geht der Katholik einen saufen, macht Unsinn, geht danach zur Beichte, betet drei Rosenkränze - und beginnt unbeschwert von vorn.

Dabei hat er eben Mitleid, was man spüren konnte bei einem Abend mit dem schönen Titel "Out of Minga - Maria, Luther & die Liebe", den Monika Drasch, Georg Glasl, Sebastian Myrus und Gerd Holzheimer in der Allerheiligen-Hofkirche veranstalteten. Bei diesem Abend macht Holzheimer das ganze Dilemma der Protestanten deutlich, indem er folgende Geschichte erzählt: Nachdem man in München ein ganzes Stadtviertel abgerissen hatte, um die Michaelskirche zu erbauen, veranstalteten dort die Jesuiten Theater, bei welchem 300 Ministraten in Teufel verwandelt wurden, was so viel Effekt machte, dass selbst die Lutherischen kamen, weil es bei den Jesuiten einfach lustiger zuging als in der eigenen Bibel-Exegese-Gruppe. Das war 1609 eine enorme Werbeveranstaltung, dann noch zwei Tage Fronleichnamzug mit Musik von Orlando di Lasso und einem Elefant, da brauchte man sich um den Erfolg der Gegenreformation keine Sorgen mehr zu machen. In München klärt man die Frage konfessioneller Zugehörigkeit nach dem Leitspruch "Wer ko, der ko", auch wenn dieser mit Kirche nichts zu tun hat.

Was bitte ist daran schön, wird jetzt der Protestant fragen? Schön ist, wie Drasch und der unabdingbare Myrus singen, dass es das Herz so weit macht, dass da auch ein Protestant hineinpasst. Und Glasl auf seiner Zither eine Musik macht, die altbairischen Seelentrost mit Blues, Tango und einer zarten Schrägheit zu einer Mischung verbindet, in der man sich wohlfühlen, animiert zurücklehnen und auf aufgeklärt hinterfotzige Art dem Himmel nah sein kann, auch wenn man da gar nicht hin will.