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Das ist nicht schön:Kontrollfreaks mal anders

Neue Posse in Landshut um den Nachlass des Bildhauers Fritz König

Landshut ist ein seltsames Pflaster. Besitzt die Stadt doch den Nachlass eines weltberühmten Bildhauers und macht so wenig draus. Über die Missstände im Umgang mit dem Erbe von Fritz Koenig haben wir an dieser Stelle schon des öfteren erfolglos lamentiert. Hier also eine weitere Folge aus der Serie "Verloren in Landshut": In der jüngsten fünfstündigen Verhandlung vor dem Landesarbeitsgericht versuchte der Richter entschlossen zu klären, welche Kompetenzen Stefanje Weinmayr, der entmachteten Leiterin des Koenig-Museums, noch geblieben sind.

Sie darf vieles nicht mehr, weder den Bestand der Koenig-Stiftung betreuen - das erledigt interessanterweise die Stiftung jetzt selbst - noch Sonderausstellungen organisieren oder Briefe unterzeichnen. Sie darf nur unterschreiben, wenn ihr Chef Franz Niehoff, der Leiter aller Städtischen Museen, damit einverstanden ist. Der Museumsleiter habe sich vorbehalten, über alles informiert zu werden, erklärte Stadtdirektor Andreas Bohmeyer dem Richter. Und ersetzte auf nochmalige Nachfrage "alles" durch "Relevantes", ohne aber präzisieren zu können, ab wann etwas relevant sei.

In der praktischen Umsetzung dürfte das schwierig sein. Vor allem deshalb, weil der Museumsdirektor derzeit nichts Relevantes unterschreiben darf. Seit im November bekannt wurde, dass Niehoff in einem Bericht des Landshuter Rechnungsprüfungsamts des "Hoflieferantentums" bezichtigt wurde, hat ihm Oberbürgermeister Alexander Putz (vom Stadtrat quasi gezwungen) die Erlaubnis entzogen, Aufträge und Vergaben alleinverantwortlich zu erteilen. Der Mann hatte bevorzugt Aufträge an eine einzige Werbeagentur und eine einzige Schreinerei vergeben und sich die lästige Mühe der Ausschreibungen gespart. Rechnungen abzuzeichnen kostete ihn vermutlich weniger Zeit: Im Jahr 2018 waren das 33 Stück mit einer Gesamtsumme von 111 000 Euro für die Werbeagentur.

Seither sind Niehoffs Unterschriften nur noch mit Gegenzeichnung eines Vorgesetzten oder dessen Vertreters rechtswirksam. Muss Weinmayr also jetzt erst zu Niehoff? Geht der dann weiter zu Bohmayer? Oder gleich zu Putz? Schon ganz schön kompliziert, noch mitzukriegen, wer hier eigentlich wen kontrolliert. Bloß gut, dass die Stadtspitze nur Unterschriftsbefugnisse entziehen kann, und keine Schreibverbote verhängen. Sonst sähe es für Journalisten in Landshut vermutlich schlecht aus. Und das wäre nicht schön.

© SZ vom 25.01.2020
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