Es ist Krieg. Menschen hungern, Häuser brennen, Körper zerfetzen. In dieser Zeit der bestiefelten Bestien ist das düsterste Kapitel die Moral. Was gut und böse ist im Alltag der Angst, wo Egoismus, Zynismus und Willkür das Verhalten leiten, ist kaum zu begreifen. Zumal für Kinder. Und genau hier setzte Ágota Kristóf mit ihrem kurzen Roman „Das große Heft“ an. Zwei Brüder, Zwillinge von gespenstischem Einklang, versuchen mit Systematik, ihre Welt in Ordnung zu halten. Sie schaffen sich Regeln, um nicht an ihren Gefühlen zu zerbrechen, und definieren für sich strikte Vorstellungen, was es bedeutet, in dem Chaos der Gewalt und der Widersprüche gerecht zu bleiben.
TheaterDie Moralbrüder morden wieder
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Das Hamburger Schauspielhaus zeigt den oft inszenierten Roman „Das große Heft“ von Ágota Kristóf. Regisseurin Karin Henkel verhandelt die Frage, ob zwei Mörder Helden der Ethik sein können – oder doch nur schnöde Verbrecher sind.
Von Till Briegleb
