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Damals und heute:Maskerade für Profis

Hias Schaschko legt seit 20 Jahren als Intim-DJ Cpt. Schneider an Fasching auf

Von Michael Zirnstein

Man weiß nie genau, ob Hias Schaschko das mit den Kostümtipps auf seinen Flyern ernst meint. Er selber hält sich oft gar nicht ans Foto oder entscheidet sich rasch um. Aber einmal, 2004, da kamen drei weibliche Fans von ihm (Intim-DJ Cpt. Schneider) in die Registratur und hatten sich aus seinem Bild mit spitzem Clownshut Masken gebastelt. "Da habe ich den ganzen Abend lang immer nur mich selbst auf der Tanzfläche gesehen, das war schon verrückt", sagt Schaschko.

Seit 20 Jahren legt er, der auch mit Grafiken, Buttons und einem Kräuterelixier Geschäfte macht, bei der Partyreihe "Endlich Fasching!" auf. Der Name bleibt, die Orte wechseln und sind oft längst Geschichte: Zerwirk, Kilombo, Registratur, Loft, Import-Export an der Goethestraße, die ehemalige Kantine im Kaufring, Unter Deck - "das waren meist die Orte, wo alle sonst auch das ganze Jahr über waren, so hatte das immer etwas von Hausball". Nach seiner Marathon-DJ-Sitzung ging man morgens oft direkt zum Viktualienmarkt und mittags dann ins Stadtcafé, wo Freund und Kollege Christos Davidopoulos auflegte.

Mit dem Szene-Fasching fing es an, als Ivi Vukelic, der damals gerade sein Musiklokal Club 2 aufmachte, Schaschko 1999 zufällig auf der Weißenburger Straße traf und forderte: "Du musst bei uns am Rosenmontag auflegen!" So kam's, und ein Bild für die erste Werbe-Postkarte hatte Schaschko auch schon. Darauf er, leicht genervt dreinblickend mit Indianer-Federschmuck - so hatte er für Christoph Wirsing posiert, als der seine neuerworbene Digitalkamera auf ihre Farbtauglichkeit hin testen wollte. Breze, Eimer, Ringelsockenrüssel, Fußball-Nase (zur WM 2006), Handtuch ... jedes Jahr gab es fortan eine neue Anti-Verkleidung für den Szene-Fasching. "Es ist so gedacht, dass man etwas mit einem Handgriff herstellen können soll", erklärt Schaschko, "nicht so wie die Black Indians beim Mardi-Gras-Karneval, die das ganze Jahr über Pailletten hinnähen." Was er übrigens sehr schätzt, denn traditionell spielt der Intim-DJ zu Beginn der Partys, "zum Eingrooven", die "extrem-funky" Blasmusik aus New Orleans. Wo das hinführt, kann er nie abschätzen, zu "Hot Soul", "Extreme Swing", "Wild Brazil" oder gar Country, einmal spielten sogar überraschend La Brass Banda auf, auf keinen Fall aber artet es aus mit zu profaner "Faschingsmusik".

Um ein Missverständnis auszuräumen: Gegen Fasching und gute Laune hat Schaschko durchaus nichts. Es wird gefeiert, bisweilen bis zum Umkippen. Einmal blieb tatsächlich ein Tanzender liegen, ein zufällig anwesender Rettungssanitäter beugte sich dann immer wieder über den Komatösen, was den DJ amüsierte, weil der Helfer sich selbst an einen mobilen Marterpfahl gebunden hatte.

Womit sich Schaschko an diesem Montag in der Milla verkleidet, kann oder will er noch nicht sagen. Es könnte aber durchaus jene Single, "Le Freak" von Chic, verbastelt werden, die er sich auf dem aktuellen Flyer vors Gesicht hält.

20 Jahre Endlich Fasching, Rosenmontag, 4. März, 21 Uhr, Milla, Holzstr. 28

© SZ vom 02.03.2019

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