Süddeutsche Zeitung

Rätsel um Dadaisten:Hat Karl Waldmann wirklich existiert?

  • In der Ausstellung "Künstliche Tatsachen / Boundary Objects" im Kunsthaus Dresden werden Werke des Künstlers Karl Waldmann ausgestellt.
  • Allerdings fehlen von einem im Umfeld des Bauhauses wirkenden Künstlers namens Karl Waldmann alle Spuren seines Lebens und Wirkens.
  • Das Kunsthaus räumt inzwischen ein, der Fall werfe "ungeklärte Fragen" auf.

Das Kunsthaus Dresden muss sich einem Verdacht stellen: Gibt es den Künstler Karl Waldmann, dessen am Bauhaus orientierte Werke dort gerade als Teil einer Gruppen-Ausstellung zu sehen sind - und ist er eine Fiktion?

Die Ausstellung "Künstliche Tatsachen / Boundary Objects" wird von der Kulturstiftung des Bundes und vom Institut für Auslandsbeziehungen gefördert, sie war in Kapstadt ebenso zu sehen wie in Porto-Novo, der Hauptstadt des westafrikanischen Staates Benin.

Ausgestellt sind neben Werken anderer Künstler Collagen, die an verschiedene avantgardistische Strömungen des frühen 20. Jahrhunderts erinnern wie den Dadaismus und den Suprematismus.

Sie sind Leihgaben eines Galeristen aus Brüssel, der behauptet, diese und weitere Werke habe ein französischer Journalist nach der Wende auf einem von Polen betriebenen Markt in Berlin gefunden; sie stammten demnach von dem Dresdner Karl Waldmann.

Allerdings lässt sich ein im Umfeld des Bauhauses wirkender Künstler namens Karl Waldmann in historischen Quellen nicht nachweisen, es fehlen alle Spuren seines Lebens und Wirkens. Der Galerist hat Werke Waldmanns auch zum Kauf angeboten. Jedoch konnte er sich in der Fachwelt mit der "Entdeckung" bislang nicht durchsetzen.

Landeskriminalämter in Sachsen und Berlin mit dem Fall befasst

Das Dresdner Hygienemuseum soll eine Ausstellung mit Arbeiten Waldmanns abgelehnt haben; in die weitere kunsthistorische Fachliteratur zog er nicht ein.

Ein anderer auf Avantgarden spezialisierter Kunsthändler erstattete nach Informationen der Süddeutschen Zeitung Strafanzeige, weswegen die Landeskriminalämter in Sachsen und Berlin nun mit dem Fall befasst sind.

Das Kunsthaus räumt inzwischen ein, der Fall werfe "ungeklärte Fragen" auf. Es sei "auch möglich, dass es sich um ein zeitgenössisches künstlerisches Projekt handelt, das mit fiktionalen Strategien arbeitet."

Damit allerdings ist das Rätsel noch nicht gelöst, und es bleibt unklar, wer die Arbeiten wirklich geschaffen hat. Der Fall sorgt auch deshalb für Unruhe, weil in der Vergangenheit viele Fälschungen aus dem Umfeld insbesondere der sowjetischen Avantgarden auf den Markt gekommen sind.

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Quelle:
SZ vom 28.08.2015/pak
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