"Cowboys & Aliens" im Kino:Junge Ungestüme, erfahrene Alte

Lesezeit: 4 min

Die Jagd auf die Aliens vereint die Städter und Rancher zum Verfolgungs- und Rachetrupp, ein wenig später kommen dann noch die Indianer dazu, die jungen Ungestümen vereinen sich mit den erfahrenen Alten - die junge amerikanische Nation erprobt ihre Identität und Solidarität, ihre Fähigkeiten und ihre Widerstandskraft dem unbarmherzigen Feind von draußen gegenüber. Nur wenige Wochen vor dem zehnten Jahrestag des 11.September ist der Film in die Kinos gekommen.

Man sollte nicht allzu puristisch sein angesichts des grotesken Genre-Mix, den dieser Film recht ernsthaft praktiziert - es war eine nicht ganz ungewöhnliche Prozedur in der Geschichte der B-Movie-Produktion. Als Glanzstück galt unter Kennern bislang ,,Jesse James Meets Frankenstein's Daughter'' von 1966, dessen Naivität und lustvolle Infantilität Jon Favreau schon deshalb nicht erreicht, weil er sich am Ende in ein sinnloses Destruktionsspektakel verrennt. Immerhin, die Frankensteins zogen in den Südzipfel von Amerika, weil dort die elektrisch geladenen Wüstenstürme am besten waren für ihre ambitionierten, kreativen Experimente.

Der Western war in den ersten Kinojahrzehnten, in der Stummfilmzeit und in den Dreißigern, ein zeitgenössisches Genre, der Cowboy eine gegenwärtige Figur. Noch John Wayne hat sich in den Jahren vor ,,Stagecoach'' mit Gegnern herumgeschlagen, die Autos und Flugzeuge zum Einsatz brachten. Gene Autry, der singende Cowboy, hatte eine eigene Sendestation, die Radio Ranch, in seinem Mascot-Serial ,,The Phantom Empire'' - und musste plötzlich entdecken, dass unter dem Wüstenboden das gigantische hypermodern entwickelte Reich Murania unter seiner blonden Königin Tika lag, mit Robotern und Laserwaffen.

Nach dem Krieg ist der Western zum historischen Genre geworden und der Westerner immer mehr zur mythischen Figur. Die Expansion nach Westen war abgeschlossen, aus der der amerikanische Traum jahrzehntelang seine Dynamik bezogen hatte, die Filme kreisen, bei aller rasanten Action, um die Frage der Sesshaftigkeit, um Orte des Rückzugs, der Kontraktion, der potentiellen Umzingelung - ein Lagerfeuer, eine Wagenburg, eine Ranch, eine Stadt. Erst die Science-Fiction der Fünfziger richtet, mit ihren ,,It came from outer space''-Filmen, den Blick wieder nach draußen, setzt Bewegung in die Weite und Ferne noch einmal in Gang.

Für diese Interferenzen, diese widersprüchlichen Bewegungen der Geschichte und der Kinogeschichte hat ,,Cowboys & Aliens'' wenig Interesse. Nur seine Akteure entwickeln historisches Gespür, für ihre Rollen, für ihr Genre - Harrison Ford als ein Mann der Spielberg-Lucas-Generation, die einst das Kino neu entdeckte und nun sich selbst nur noch als Kinogeschichte zu sehen scheint. Daniel Craig aus einer jüngeren Generation, die sich wundert, ob das Kino überhaupt noch Zukunft hat - mit hochgekrempelten Ärmeln verweist er beharrlich auf seine Proll-Herkunft. In ihrem Spiel, in ihrem Zusammenspiel findet der Film Kontur und Spannung, eine schöne Selbstreflexion.

COWBOYS & ALIENS, USA 2011 - Regie: Jon Favreau. Buch: Roberto Orci, Alex Kurtzman, Damon Lindelof, Mark Fergus, Hawk Ostby. Kamera: Matthew Libatique. Mit: Daniel Craig, Olivia Wilde, Harrison Ford, Clancy Brown, Noah Ringer, Sam Rockwell, Paul Dano, Keith Carradine. Paramount, 118 Minuten.

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