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Europa und Coronavirus:Schleichender Hass

Gedenken für die Opfer der Epidemie: Die italienische Flagge auf Halbmast am Nationaldenkmal für Vittorio Emanuele II in Rom, Ende März 2020.

(Foto: Andreas Solaro/AFP)

"Hitlers Enkel"! "Schuldenmacher"! Die Corona-Krise entzweit Deutschland und Italien voneinander. Der Konflikt um die Euro-Bonds macht die gefährlichen Bruchlinien des gesamten Euro-Raums offenbar.

Vor den meisten öffentlichen Gebäuden in Italien hängen zwei Fahnen, die Trikolore und die blaue Flagge mit den zwölf Sternen. Sie scheinen dort als Zeichen einer doppelten Konfession zu hängen, als Bekenntnis zur Nation und als Bekenntnis zur Europäischen Union. Doch stünde eine solche Botschaft allenfalls für die halbe Wahrheit, in beiden Fällen. Denn die Nation hat in Italien, einem Land, in dem den Kommunen und Regionen oft mehr Loyalität gilt als dem Nationalstaat, keinen leichten Stand. Sie scheint, wenn man Italiener über "Rom" sprechen hört, vor allem ein enttäuschtes Versprechen zu sein. Nicht anders, mittlerweile aber in weit höherem Maße, gilt diese Dialektik von Bekenntnis und Enttäuschung der Europäischen Union. "Brüssel", oder schlimmer noch "Berlin", werden als Synonyme eines fortgesetzten, ungerechten und schließlich wohl fatalen Scheiterns verstanden. Zu dieser Dialektik gehört, dass dann im Negativen doch ein Bekenntnis zur Nation aufscheint: zur Nation als einer Gemeinschaft von Opfern.

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