Corona und Konzerte:Sieben große Open-Air-Festivals wegen Corona abgesagt

Lesezeit: 3 min

Kein 'Rock im Park' 2021

Wird es auch 2021 nicht geben: Ein Bild von "Rock im Park", das, wie viele weitere Festivals auch, abgesagt werden musste.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Neben "Rock im Park" und "Rock am Ring" sind unter anderem "Hurricane", "Deichbrand" und "Southside" betroffen. Die Branche schaut einer ungewissen Zukunft entgegen.

Von Jakob Biazza

Auf der Startseite der Homepage der Zwillingsfestivals "Rock im Park" und "Rock am Ring" halten sie die Nachricht erst mal kurz und nüchtern: "Schweren Herzens müssen wir heute bekanntgeben, dass Rock im Park und Rock am Ring 2021 wie schon im letzten Jahr aufgrund von Covid-19 abgesagt werden müssen." Schieben allerdings auch nach: "Datum für 2022 steht fest: 3.-5. Juni". Es klingt fast wie eine Kampfansage.

Leicht dürfte dieser Kampf allerdings nicht werden. Denn offenbar fällt auch der Festivalsommer 2021 aus. Zumindest haben sieben große Open-Air-Festivals in Deutschland und der Schweiz am Mittwoch über das Veranstalter-Netzwerk Eventim Live ihre Absage bekannt gegeben. Betroffen sind neben den genannten auch "Hurricane", "Deichbrand", "SonneMondSterne", "Greenfield" und "Southside". "Die Veranstalter mussten sich aufgrund der weiterhin bestehenden unsicheren Infektionslage zu einer Absage entscheiden", hieß es bei Eventim Live. "Eure Gesundheit und die Gesundheit unserer Dienstleister und Künstler stehen für uns an erster Stelle", ist bei "Rock im Park" zu lesen.

Nicht nur für Hunderttausende Fans, sondern auch für die Mitarbeiter der Festivals, die Bands und Abertausende Menschen vom Bühnentechniker über den Caterer bis zum Toningenieur ist damit die zweite Saison in Folge - und für viele wohl endgültig auch die Existenzgrundlage - gestrichen. Bereits im Sommer 2020 waren alle Großveranstaltungen ausgefallen. "2021 sollte eigentlich der Sommer des Wiedersehens werden", sagte der Geschäftsführer von Eventim Live, Frithjof Pils. Doch die Infektionslage lasse derartige Großveranstaltungen noch nicht zu. "Wir richten unser Augenmerk daher nun auf den Festivalsommer 2022 und wollen diesen für uns alle unvergesslich machen."

"Dienstleister-Strukturen für die Organisation der Konzerte erodieren"

Auf der Homepage des "Southside Festival" klingt das alles denn auch noch etwas emotionaler: Man müsse "all den Festivalverrückten, den Musikfreaks, den ganzen Livejunkies und Lieblingsgästen da draußen irgendwie verklickern, dass das Southside Festival aufgrund der Infektionslage auf kommendes Jahr verlegt werden muss. Das Southside 2021 ist somit schon jetzt Geschichte." Und weiter: "Die Resignation, die durch unsere Home-Offices schwappt, fühlt sich dumpf an und schmeckt nach abgestandenem Bier, viel zu viel Kaffee und Nikotinkaugummis. Wir vermissen das alles so wahnsinnig ... Wir haben alles versucht. Wir haben mit einem Haufen großer und kleiner Veranstalter, sowie mit heftigen Virologen, Hygienikern und weiteren Experten monatelang an Infektionsschutz- und Hygienekonzepten gefeilt, die Festivals eventuell hätten möglich machen können, letztendlich dieses Jahr für die Katz."

Die erneute Absage dürfte die Branche neben aller Enttäuschung auch und vor allem vor Probleme mit der Infrastruktur stellen. "Neue Tourneen benötigen eine Vorlaufzeit von mindestens drei bis sechs Monaten", sagte Marek Lieberberg, Geschäftsführer von Live Nation in Deutschland und damit Veranstalter unter anderem von "Rock am Ring" und "Rock im Park" der SZ vor ein paar Monaten. Wegen der Absagen und der unsicheren Aussichten würden allerdings die "Dienstleister-Strukturen für die Organisation der Konzerte erodieren". Klar: Wer seit zwei Jahren keine Bühne aufbauen, keine Gitarren stimmen, Konzerte buchen, Bands mischen oder Bratwürste auf den Festivalgeländen grillen kann, muss sich irgendwann etwas Neues suchen. Vieles, so Lieberberg, müsse neu aufgestellt oder erst wiederhergestellt werden.

Für Fans gilt: Wer bereits in diesem oder sogar im vergangenem Jahr Tickets erworben hat, kann diese demnächst online für das Jahr 2022 umbuchen. Die Veranstalter des "Southside" sicherten den Gästen weitere Lösungen zu: Tickets behalten auch dort ihre Gültigkeit. Es gebe aber zusätzlich auch die Möglichkeit, Karten zurückzugeben, wenn der Festivalbesuch im kommenden Jahr unzumutbar sei. Auch bei "Rock am Ring" und "Rock im Park" soll es eine Online-Plattform geben, auf der Eintrittskarten für das kommende Jahr getauscht werden können. Nach der Umtauschphase soll es dann auch möglich sein, Tickets zurückzugeben.

Welche Headliner fürs kommende Jahr verfügbar sind und welche kleinen Bands es bis dahin noch gibt, ist indes: völlig ungewiss.

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