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Originelle Standorte für Corona-Teststationen:Du kommst hier rein

KitKat Club Offers Covid Testing

Neue Berliner Clubkultur: Im Berliner Kitkat werden jetzt Antigen-Schnelltests angeboten.

(Foto: Sean Gallup/Getty Images)

In Berlin finden Antigen-Schnelltests im Kitkat-Club statt, auch andere Städte finden originelle Standorte. Das bringt eine schöne Beweglichkeit in diese etwas statische Zeit.

Von Sonja Zekri

Es ist immer hübsch zu sehen, wenn Berlin so tut, als habe es sich selbst überrascht. Corona-Tests in einem Fetisch-Club, wer denkt sich denn so was aus? Dabei lag es so nahe. Der Kitkat-Club ist ein seriöses Etablissement mit globalem Ruf. Gummi, Masken und Krankenhaus-Equipment sind hier auch in außerpandemischen Zeiten gängige Utensilien. Seit Anfang Dezember bietet ein medizinisches Unternehmen im Kitkat Club Antigen-Schnelltests an. Sie sind nicht so sicher wie PCR-Tests, aber sicherer als gar keiner und ohne Termin zu haben. Die Schlange ist lang und führt vorbei an Soli-Aufrufen zur Rettung der Berliner Clubkultur, ausnahmsweise kommt jeder rein, was allerdings auch nicht weiter als bis zu den Zelten am Eingang ist. "Life is a circus" steht über dem Tor, die Musik massiert sanft die Nerven und könnte eine Hornisse entspannen. Ein Mediziner trägt eine Nikolausmütze mit blonden Zöpfen. Alle duzen selbstverständlich in einer zugewandten, wenn man so will: achtsamen Atmosphäre. Wenn das Virus niedergeschmettert ist, wenn auch die nächste anstehende Millionenabfertigung des Impfens geschafft ist, wird man überlegen müssen, ob manche Praktiken aus diesen Tagen nicht doch sehr gut in den Regelbetrieb der medizinischen Versorgung übergehen könnten.

In der DNA-Galerie in der Auguststraße, einer weiteren Schnelltest-Möglichkeit, hängen noch die Werke des japanischen Fotografen Tatsumi Orimoto. Auf dem Bild am Eingang umarmt er seine demente Mutter so fest, dass diese die Augen zukneift. Falls man nicht sicher ist, ob man der bevorstehenden Flut von künstlerischen Pandemie-Aufarbeitungen eher gespannt oder doch besorgt entgegensieht, bietet Orimotos Zyklus "Art Mama and Son" die wichtigsten Themen sozusagen mit Abstand: Familie, Verletzlichkeit, Tod.

Getestet wird in Berlin außerdem im Admiralspalast, in der Max-Schmeling-Halle und als Drive-in im Wellenwerk, einer künstlichen Brandung für Surfer. München testet auf der Theresienwiese, im Deutschen Museum, im Club Pacha, Hamburg an der Reeperbahn. Gemessen an der großen Leere des Lockdowns, in der manche Straßen so entvölkert wirken, als sei Godzilla durchgelaufen oder zumindest Heiligabend um ein paar Tage vorgezogen worden, sind diese Umwidmungen mikroskopisch kleine Veränderungen. Aber während viele bereits wieder dem New Normal nach der Pandemie entgegenhoffen und vielleicht gar nicht so viel verändern wollen, wie zu Beginn des Ausbruchs prophezeit wurde, erinnern diese Umbesetzungen daran, dass es für Städte keine Gebrauchsanweisung gibt. Alles ist Zwischennutzung, alles auch anders denkbar. Das bringt eine schöne Beweglichkeit und neue Perspektiven in diese doch etwas statische Zeit. Wenn alles vorbei ist, sollte der Kitkat-Club ins Humboldt-Forum ziehen.

© SZ/knb
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