"Cop Secret" im Kino:Liebe und Bumbum

Lesezeit: 2 min

"Cop Secret" im Kino: Island ist nicht gerade berühmt für Actionfilme - zumindest bis jetzt. Szene aus "Cop Secret".

Island ist nicht gerade berühmt für Actionfilme - zumindest bis jetzt. Szene aus "Cop Secret".

(Foto: Pegasus Pictures/MFA)

Der ehemalige isländische Nationaltorwart Hannes Þór Halldórsson stoppte einst Lionel Messi. Aber er ist auch Filmregisseur. Jetzt hat er die Actionkomödie "Cop Secret" gedreht.

Von Sofia Glasl

Actionfilm und Fußball sind Männerdomänen, die sich so hartnäckig halten wie der Geruch von alten Socken in Sportumkleiden. Frauen haben es da ebenso schwer wie Kerle, die offen schwul leben. Diskriminierende Stereotype wie diese greift die isländische Actionkomödie "Cop Secret" auf. Regie führte der ehemalige Torhüter der Nationalelf, Hannes Þór Halldórsson, der bei der Fußball-WM 2018 einen Elfer von Lionel Messi hielt.

So richtig auf dem Schirm hatte Halldórsson im Filmgeschäft außerhalb Islands niemand; dort ist er allerdings neben seiner Karriere als Fußball-Nationalheld auch ein erfolgreicher Werbefilmer. Sein bisher international bekanntestes Werk: das Musikvideo zum isländischen Beitrag beim Eurovision Song Contest 2012, damals noch den windigen Weiten der rauen Insellandschaft verschrieben, die in Dramen, Wikingersagen und Krimis auch das weltweite Bild des Landes prägen.

Nun ist der Inselstaat nicht gerade berühmt für Actionfilme, für Komödien schon eher, und deren oft kruder Humor macht auch hier einen beträchtlichen Teil des Grundtons aus. Halldórsson verwandelt die sonst oft in Nordic Noir gehüllte Hauptstadt in einen astreinen Gangster-Moloch, angefangen mit dramatischen Kameraflügen über die Skyline der City bis hin zu Verfolgungsjagden mit Muscle Cars und einem Cop, der mit Fäusten und zweifelhaften Methoden zum Star seiner Einheit wurde. Bússi heißt der Mann, seine Markenzeichen: Meckifrisur, Fliegerbrille und Lederjacke. Legendenstatus: irgendwo zwischen Vin Diesel und Bruce Willis.

Der Macho-Cop wird mit einem pansexuellen Kollegen zusammengespannt

Er komme sich vor wie in "Die Hard 3" kommentiert er seinen neuen Fall, in dem der Superschurke Rikki Ferrari es auf die Goldreserven des Landes abgesehen hat. Die Handlung ähnelt dann auch der von "Stirb langsam: Jetzt erst recht". Wo damals der Bösewicht Gruber eine Schule in die Luft zu sprengen drohte, um die gesamten Einsatzkräfte der Stadt zu binden und in Seelenruhe die Banken leerzuräumen, setzt Ferrari auf eine heiß erwartete Fußballpartie der isländischen Fußballnationalmannschaft der Frauen.

Mehr Übereinstimmungen gibt es dann aber nicht, vielmehr arbeitet Halldórsson in seiner Parodie gegen die hypermaskulinen Stereotype an, die Buddy-Cop-Filme wie die "Stirb langsam"- Reihe oder "Lethal Weapon" in den Achtzigerjahren vorgelebt haben. An der Oberfläche scheint Bússi diese bis ins kleinste Detail zu bestätigen. Um gegen Rikki Ferrari anzukommen, muss er sich dann allerdings mit einem neuen Partner arrangieren, einer sonnenstudiogebräunten und schwiegermuttertauglichen Version seiner selbst. Hörður ist nicht nur gebildeter, fitter und erfolgreicher, sondern löst durch einen offenen Umgang mit seiner Pansexualität eine schwere Krise bei Bússi aus. Aus der schablonenhaften Bromance zweier ungleicher Charaktere macht Halldórsson eine queere Romantic Comedy, inklusive Liebesgeständnis im Kugelhagel.

Er sei überrascht, dass sein Film außerhalb Islands Anklang finde, gibt Halldórsson immer wieder zu Protokoll. Die Feinheiten seiner Insiderwitze kann ein internationales Publikum vermutlich nur erahnen. Allein die Besetzungsliste ist ein wildes Who's who der isländischen Fußball- und Unterhaltungsindustrie. Als Vergleichsmaßstab: Das wäre in etwa so, als ob Manuel Neuer ein Remake von "Lethal Weapon" drehen und darin Tom Schilling, Nina Hoss, Marco Reus, Wigald Boning, Thomas Gottschalk und Christian Ude besetzen würde.

"Cop Secret" hat allerdings einen großen Bonuspunkt, der diese Parodie flächendeckend sympathisch macht. Der Größenunterschied zu all den Vorbildern, sowohl im Actionfilm als auch im Fußball, ist ein Dauerscherz, den Halldórsson über den gesamten Film gewitzt aufrechterhält. Allein die Dichte an Schießereien, Explosionen und niedergemähtem Stadtverkehr, die Halldórsson hier auffährt, müsste Reykjavik eigentlich in Schutt und Asche legen. Tut sie natürlich nicht, denn so viel Hollywoodeskes Happy End steckt auch im kleinen Island.

Cop Secret, Island 2021 - Regie: Hannes Þór Halldórsson. Buch: Nína Petersen, Sverrir Þór Sverrisson, Hannes Þór Halldórsson. Mit: Auðunn Blöndal, Egill Einarsson, Sverrir Þór Sverrisson, Steinunn Ólína Þorsteinsdóttir. MFA, 98 Minuten. Kinostart: 23. Juni 2022.

Zur SZ-Startseite

SZ Plus"Corsage" im Kino
:Der Wespentaillenimperativ

"Sisi" mit Magersucht und Depression: Marie Kreutzer hat einen Film gedreht, der die österreichische Kaiserin nicht nur als Frau mit Nöten, Begierden und Fehlern zeigt, sondern auch ein perverses Nachkriegsphänomen aufarbeitet.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB