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"Confession" im Kino:Heroinkasper als Clown

Kinostarts - 'Confession of a Child of the Century'

Pete Doherty als Octave und Charlotte Gainsbourg als Brigitte in "Confession of a Child of the Century".

(Foto: dpa)

Wie konnte das passieren? Pete Doherty, Kate-Moss-Verführer und Englands letzter Borderline-Rockstar, hat im Heroinrausch einen Kinofilm gedreht. Sylvie Verheydes "Confession" ist eine ziemliche Katastrophe. Was auch an Doherty liegt, aber nicht nur.

Wir haben alles versucht. Wir haben aus seinen dunklen, ungesunden Augenringen die Zukunft gelesen, an seinen Rippen die verstreichenden Tage nachgezählt. Wir haben ihm Durchhalteparolen geschickt, ihn angefleht: Sei stark, stirb nicht! Ihm, Pete Doherty, dem letzten Londoner Borderline-Rockstar, dem Schmerzensmann und Heroinkasper.

Er hielt durch, er überlebte. Und, tja, jetzt hocken wir da mit ihm.

Kurz zur Erinnerung, ist ja auch schon wieder fünf, sechs Jahre her, also eine Ewigkeit: Doherty, das war der dürre, blasse Musiker, der meistens einen Hut trug.

Der tatsächlich mal visionären, erdbebenden Neo-Beatnik-Punkrock spielte, in den Nullerjahren, erst als Sänger, Gitarrist und Gefahrenherd der Band The Libertines. Dann mit der Nachfolgegruppe Babyshambles oder allein mit der Gitarre, als zerkratzter Baudelaire, der mit Spritzenblut lustige Gedichte schrieb und 17-jährige Mädchen mit ihren eigenen Muttergefühlen bekannt machte.

Beim restlichen Publikum gelang ihm der Durchbruch, als er und das Model Kate Moss 2005 ein Liebespaar und ein toller Boulevard-Roman wurden. Als sich die Gerichtstermine häuften, weil Doherty immer öfter mit den Drogen erwischt wurde, von denen er ständig sprach. Ein B-Prominenter, aber mit A-Talent und einem furchtbar echt aussehenden Todestrieb. Man zitterte, wie lange er es noch machen würde.

Wie gesagt, im Jahr 2013 ist Pete Doherty noch da. Kommt sogar ins Kino, mit "Confession", seinem Debüt als Schauspieler. Der Film ist eine ziemliche Katastrophe. Was auch an Doherty liegt, aber nicht nur. Wie konnte das passieren?

Traumhafter Doherty-Part

Es muss sich für die Pariser Regisseurin Sylvie Verheyde ja wie ein irrer Coup angefühlt haben, als sie den Star bekam. Ende 2010 wurde darüber berichtet, das Hin und Her hatte sicher länger gedauert.

Von Verheyde kennt man höchstens das kleine Jugenddrama "Stella", ihr "Confession"- Drehbuch basiert auf dem autobiografischen Roman "Bekenntnis eines jungen Zeitgenossen": 1836 erschienen, kurz nach der französischen Julirevolution und rund sechzig Jahre nach Goethes "Werther".

Verfasst vom damals 26-jährigen Alfred de Musset, einem romantischen Sohn aus armem Adel, selbstverständlich Lebemann, dessen Affäre mit der Schriftstellerin George Sand gerade zu Ende gegangen war, nachdem sie ihn mit seinem Arzt betrogen hatte. Die Schnupftabak-Kokain-Parallele braucht man gar nicht mehr, um festzustellen, was für ein traumhafter Doherty-Part das ist.

Denn so identisch wie möglich mit der eigenen Rolle zu sein, das war es ja, was ihn auf dem Gitarrenbubi-Marktplatz so speziell gemacht hatte. Er spielte für Teenager, die längst nicht mehr an das Authentische glauben konnten, an Punk oder den Weihnachtsmann, aufgeklärt durch all die Casting-Shows und Making-of-Dokumentationen.

Und denen Doherty eben doch irgendwie weismachen konnte, dass es bei ihm, seinen Liedern und Kapriolen um mehr ging, um Leben oder Tod, um Reinigung, Risiko und so weiter. Der Rattenfänger von Hammelbein, der naseblutend durch die Kulisse stolperte. Ihm ging's schlecht. Aber es fühlte sich gut an.