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Comicfestival in Frankreich:Keine Zote zu derb oder zu dumm

Das Fachblatt Comix druckte außerdem in einer Auflage von 20 000 Exemplaren eine 16-seitige Gratiszeitung mit Beiträgen von deutschen Comic-Künstlern wie Flix, Isabel Kreitz, Reinhard Kleist oder Volker Reiche.

Und auch die Ausstellungshallen dominierte Charlie Hebdo. Die noch bis zum 8. März laufende Retrospektive "Une histoire de Charlie Hebdo" wird im selben sehr großen Raum gezeigt, in dem vor drei Jahren der damalige Festival-Präsident Art Spiegelman eine Übersicht über die komplette US-amerikanische Comic-Geschichte zur Schau stellte.

In diesem Saal wurden schon aufwendiger kuratierte Ausstellungen präsentiert, doch die Charlie Hebdo-Präsentation beeindruckt durch ihre Schlichtheit. Auf Originalzeichnungen wird komplett verzichtet, zu sehen ist wenig mehr als eine chronologisch ausgelegte Auswahl von Charlie Hebdo-Ausgaben sowie vom Vorgänger-Magazin Hara-Kiri.

Viele der Titelbilder stammten von den begnadeten Schmierfinken Georges Wolinski - eines der Mordopfer, 2005 wurde er in Angoulême mit dem Großen Preis der Stadt ausgezeichnet - und Jean-Marc Reiser, denen keine Zote zu derb oder dumm war, sie in den französischen Alltag zu feuern.

Politiker, Päpste, Propheten und Proleten, alle wurden im gleichen Maße verspottet. So kommentierte 1970 das Ende des zu Hungersnot führenden Biafra-Krieges ein von Reiser mit wenig Strichen hingerotzter sehr fetter Kerl: "Jetzt kann man wieder beruhigter essen."

Zwischendrin auch mal feinfühlig

Als Hara-Kiri 1970 verboten wurde, nachdem sie sich traditionell geschmacklos über den Tod von Charles de Gaulle lustig gemacht hatte, ging es bereits eine Woche später unter dem Titel Charlie Hebdo im selben respektlosen Stil weiter.

Zwischendrin kamen aber auch immer wieder feinfühligere Karikaturen des manischen Zeichners Jean Cabu zum Abdruck oder des Niederländers Bernard Willem Holtrop, der im letzten Jahr Präsident des Festivals war.