Comic Die dicke Prinzessin Petronia

Von Martina Knoben

Man soll sich Sisyphos bekanntlich als glücklichen Menschen vorstellen. Aber wäre Albert Camus der Gedanke auch dann gekommen, wenn Sisyphos den Felsen, den er immerzu den Berg hinaufrollte, täglich aufs Neue hätte putzen müssen? Das sind so Überlegungen der dicken Prinzessin Petronia, die eine Cousine des kleinen Prinzen ist und in jeder Hinsicht ein Gegenbild zu dem blöden, kleinen Schleimer, wie sie ihn nennt. Man sieht nur mit dem Herzen gut? Mit der Lupe sieht man besser, weiß Petronia. Sie liebt die Naturwissenschaften, hat das Herz (und die Haltung und Physiognomie) eines Bullterriers. Prinzessinnenklischees? Sollen andere bedienen. Sie ist Feministin.

Die Zeichnerin Katharina Greve, die mit dem Comic "Das Hochhaus" bekannt wurde, hat sie ganz reduziert gezeichnet. Ein Querbalken mit zwei Punkten, darunter ein Haken und ein Strich, über allem ein Krönchen - und fertig ist das miesepetrige Prinzessinnengesicht. Ihrer Mutter, der Herrscherin des Alls, müssen Petronias altkluge, übellaunige Gedanken mächtig auf die Nerven gegangen sein. Sie hat sie auf einen gerade mal hüpfballgroßen Planeten "outgesourced". Allein mit sich und dem Multifunktionswurm Mirco bleibt der Prinzessin viel Zeit für schlecht gelaunte Einsichten: "Staub - das sind die Zinsen des Daseins" etwa. Greves Petronia-Cartoons wurden seit 2015 in der Zeitschrift Das Magazin veröffentlicht, sie erschienen außerdem in der Tageszeitung taz. Der Avant-Verlag hat sie nun in einem Buch zusammengefasst. Auch auf über hundert Seiten langweilen sie nicht, weil Greve der übersichtlichen Grundkonstellation immer wieder neue, lustige Pointen abgewinnt.

So reduziert Petronia gezeichnet ist, so trocken ist auch ihr Witz. Und Greve zitiert nicht nur Philosophie, Pop oder Literatur, sie passt ihre Zeichnungen auch den jeweiligen Themen an. Eine Seite ist wie ein Klatschblatt gestaltet, es zeigt den verhassten kleinen "(Traum)Prinzen": "Liebes-Aus mit Rose? Neues Glück mit Fuchs?" Man kann Petronia nur beipflichten: Was für ein Kitsch!