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Comedy:The Kev

'Ride Along: Next Level Miami' Berlin Photo Call

The Kev: der amerikanische Comedian Kevin Hart bei einem Auftritt in Berlin.

(Foto: Adam Berry/Getty Images)

Kevin Hart will der erste Stand-up-Comedy-Weltstar werden. Was das bedeutet, konnte man am Mittwoch in Berlin erahnen.

Die Basketballschuhe sind geputzt, die Brustmuskeln trainiert, das Handy aufgeladen, es kann losgehen - auf zu Kevin Hart in die Arena am Berliner Ostbahnhof. 5000 Menschen haben sich eine Karte gekauft, was für die Halle, in die maximal 17 000 Menschen passen, wenig ist, für Kevin Hart dann aber doch recht viel. In Deutschland ist der Mann schließlich kein Star. Anders in den USA, wo sich der 36-Jährige an Eddie Murphy und Chris Rock vorbei zum populärsten afroamerikanischen Comedian hochgewitzt hat, und wo die Action-Komödie "Ride Along 2" am vorvergangenen Wochenende den neuen "Star Wars"- Film von der Spitze der Kinocharts verdrängte. Hart spielt darin einen überambitionierten, tapsigen Nachwuchspolizisten.

Aber kennen die 5000 Menschen in Berlin Kevin Hart aus dem Kino? Wohl kaum. Seine Auftritte bei "Saturday Night Live" oder als Boss einer Autowaschanlage in "Der Knastcoach" (2015, mit Will Ferrell) verfolgt man hierzulande über das Netz. So wie seine Serie "The Real Husbands of Hollywood", die seit 2013 recht genial das Konzept der in den USA rasend erfolgreichen Reality-Seifenopern "The Real Housewives" parodiert - mit semi-fiktionalisierten männlichen Hauptfiguren, neben Hart zum Beispiel Nick Cannon, dem Ex-Mann von Mariah Carey. Wie in der Vorlage die Luxus-Hausfrauen unterhalten sich die (Ex-)Gatten bevorzugt über ihre Körper und geraten regelmäßig in gockelige Gerangel: "Mitchfights". "Mitch" ist die männliche Version der "Bitch". Das Internet also: Es hat Kevin Hart nach Berlin gebracht, heute Abend ist es allerdings sein größter Feind. Für Comedians bedeutet das Internet das Aus. Wenn bei einem Popkonzert das Publikum mitfilmt und Videos auf Youtube stellt, ist das zusätzliche Werbung für den Popstar. Bei einer Stand-up-Show sind die Gags dann aber verbrannt. Sich jeden einzelnen Abend neue Gags auszudenken, wäre bei Harts aktueller "What Now?"-Tour mit 156 Shows in 13 Ländern - eine Stand-up-Comedy-Tour in dieser Dimension gab es bislang noch nicht - ziemlich anstrengend.

Also beginnt die Show in Berlin mit einem militärischen No-Phone-Drill. "Wer sein Handy während des Auftritts nicht in der Tasche lässt, wird rausgeworfen!", tönen die Einheizer auf Englisch, sie verwenden dabei das nur im Deutschen gebräuchliche Wort "Handy". Was nicht nötig wäre, denn die Deutschen und Afrodeutschen, die in Berlin lebenden Expats und die extra aus Frankreich Angereisten im Publikum sprechen gut genug Englisch, um der Show ohne Untertitel zu folgen. Es sind "Millenials", fast alle unter 30. Die Handy-Warnung lassen sie acht-, neunmal über sich ergehen. Beim zehnten Mal: Buhrufe.

Die Stimmung ist also im Keller, bevor es losgeht. Harts Einheizer, die Stand-up-Truppe "Plastic Cub Boyz", ziehen sie wieder nach oben, vor allem mit Witzen übers Speckansetzen und den körperlichen Verfall bei Männern über 30. Wann hat man schon mal ein offenkundig fitnessaffines, kulturell vollständig durchglobalisiertes Millenial-Publikum über Witze von Männern lachen hören, die ihre Väter sein könnten und die über das nicht in Zusammenhang mit Sexpraktiken stehende Ausleiern ihrer Schließmuskeln klagen?

Die halbe Show handelt von der Angst vor Tieren im Dunkeln

Dann kommt Kevin Hart, bekannt als "The Kev", ein eher kleiner Mann (1,57 Meter) mit Silberblick, aber großem Talent für die mimische Darstellung von Hysterie. Ein muskulär gepanzerter Mann, der angibt, nur Witze über Dinge zu schreiben, die er selbst erlebt hat, und dem man daher schlecht vorhalten kann, Themen wie Polizeigewalt oder das Ignorieren schwarzer Schauspieler bei den Oscars auszusparen. Nein, allzu nationalspezifische Themen vermeidet Hart in seinem internationalen Tourprogramm, er konzentriert sich auf Dinge, bei denen es - Globalisierung und Internet sei Dank - kaum mehr nationale Differenzen gibt, zumindest im Westen. Also: Sex, Bodybuilding, Starbucks. Und: Angst vor Tieren im Dunkeln. Fast die gesamte erste Hälfte der Show dreht sich darum, im Garten von einem Orang-Utan die Kniescheiben abgebissen zu bekommen oder der Freundin dabei zuzusehen, wie sie im Meer von einem Hai angefressen wird (Fände man sie ohne Arm und Bein noch sexy?).

Beim Publikum kam das erstaunlich gut an. Man wird Kevin Hart in Berlin also vor allem als den Comedian in Erinnerung behalten, der auszog, der erste globale Comedy-Rockstar zu werden, und der von seiner Verlobten eine Gummivagina in den Koffer gepackt bekam. Damit er sich nicht so allein fühle. Drei Tage lang, so Hart, habe er über das Ding gelacht. Am vierten Tag sei er schwach geworden.