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Coen-Brüder im Interview:"Wir machen Filme für die große Leinwand und nicht fürs iPad"

Manchmal reden beide gleichzeitig, manchmal antwortet keiner - die Brüder Ethan (l.) und Joel Coen auf der Berlinale

(Foto: AFP)

Joel und Ethan Coen sind als verschrobene Gesprächspartner bekannt - das zeigt sich auch, als die Brüder auf der Berlinale über "Hail, Caesar!" sprechen.

Von David Steinitz

Die Brüder Joel und Ethan Coen, 61 und 58 Jahre alt, gehören seit mehr als drei Jahrzehnten zu den wichtigsten Filmemachern Amerikas. Schon als Kinder inszenierten sie gemeinsam erste Kurzfilme auf ihrer Super-8-Kamera, später wurden sie durch schräge Werke wie "Barton Fink", "Fargo" und "The Big Lebowski" weltberühmt.

Ihre Hollywood-Satire "Hail, Caesar!" mit George Clooney und Scarlett Johansson eröffnete die Berlinale und startet heute im Kino. Die Brüder sind als verschrobene Gesprächspartner bekannt und so präsentieren sie sich auch beim Treffen in Berlin: Joel sitzt während des ganzen Gesprächs unbeweglich auf seinem Stuhl, Ethan dagegen rennt hektisch im Kreis um seinen Bruder und den Interviewer herum. Manchmal antwortet keiner von beiden, manchmal reden beide gleichzeitig.

Auf die Frage, ob sie all den Stars, mit denen sie ständig zusammenarbeiten, eigentlich viele Regieanweisungen geben, antworten sie: "Wir sagen ihnen eigentlich immer, dass sie ihr Ding machen sollen. Außer manchmal. Manchmal sagen wir auch: Das war jetzt also dein Ding, vielen Dank. Aber wie wäre es, wenn du jetzt mal unser Ding machst, weil dein Ding nämlich scheiße ist." Dass die Zuschauer Filme immer mehr über Streaming-Dienste daheim und nicht mehr im Kino anschauen, finden sie tragisch: "Wir machen die Filme schließlich für die große Leinwand und nicht fürs iPad."

Hollywood habe sich aber nicht nur formal, sondern auch inhaltlich sehr verändert, seit sie in den Achtzigerjahren ins Filmgeschäft eingestiegen sind: "Was sich verändert hat, ist diese ganze Superhelden- und Comicnummer. Das war in den Achtzigern noch eine kleine Nische für komische Nerds, jetzt ist es Mainstream, das ist wirklich eine merkwürdige Entwicklung. Wenn ein Hollywoodstudio heute Geld in einen teuren Film pumpt, dann eigentlich nur noch in diese Fantasy-Geschichten. In den Fünfzigern haben sie auch viel Geld in teure Filme gesteckt, aber darin ging es dann nicht um Superhelden, sondern um Jesus."

Seit Beginn ihrer Karriere schreiben die Brüder ihre Drehbücher gemeinsam - was trotz all der Erfahrung, die sie mittlerweile haben, nicht immer ganz leicht ist. "Manchmal geht es besser, manchmal schlechter, je nach Tagesform. Und es kommt natürlich immer auf das Drehbuch an. Manche Sachen schreiben sich sehr leicht, andere sind ein verdammter Kampf, da kann es ewig dauern, bis wir fertig sind. Und manchmal sind wir auch einfach nur faul für ein paar Wochen, dann geht auch nichts richtig voran."

© SZ.de/cag/ghe
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