Coca Cola goes Asien Geschmackssache

Grüner Tee als Global-Aroma: Hühnerfüße und Schweineohren können gegen Kaugummi, Cola und Lutscher nicht mehr anstinken. Wie wir Asien erobern.

Von Gerhard Matzig

Früher hat es ja kein Schwein, geschweige denn ein Huhn interessiert, ob in China ein Sack Kaugummi umfällt. Heute ist das anders, denn das Reich der Mitte ist auch das Reich der Mittel.

Weil aber 1,3 Milliarden Chinesen rein theoretisch 1,3 Milliarden Zeitungsleser sein könnten, hier gleich mal eine Nachricht für die chinesischen Hühner und Schweine unter den möglichen Abonnenten: Die Beliebtheit von Schweineohren gedämpft und auch die von Hühnerfüßen süß-sauer geht dramatisch zurück im Land der Garküchen. Dagegen sehr begehrt: Kaugummi, Cola und Lutscher.

Beiß in die wächserne Kaulquappe!

Das war nicht immer so. Als Coca-Cola vor einigen Jahren nach China rübermachte, blamierte man sich dermaßen, dass die Hegemonie von grünem Tee auf Jahre gesichert schien. "Kou-ke-kou-la", was man phonetisch für Co-ca-Co-la halten könnte, heißt nämlich auf gut Chinesisch: Beiß in die wächserne Kaulquappe! Das kam nicht mal in einem Land gut an, das sich kulinarisch sonst nicht so anstellt mit Exotismen wie Haifischflossen samt Krabbenmehl oder Schwalbennester an Seetang.

Aber mittlerweile hat man sich mit den Kaulquappen arrangiert. Was auch daran liegen mag, dass es inzwischen "Coca Cola light Plus Green Tea" gibt. Das ist grüner Tee - den es in China ja erst seit ein paar tausend Jahren gibt - mit herrlicher Cola-Note.

Grüne Hühner

Dazu passt sehr gut der neue Kaugummi namens "Green Tea Mint" aus dem Hause Wrigley's, mit dem der chinesische Markt regelrecht niedergepappt wird. Auch ihm, dem Doublemint, ist zu verdanken, dass das Kauen von Hühnerfüßen, früher ein sehr beliebter Snack in China, immer seltener wird. Hühnerfüße mit dem Geschmack von grünem Tee sind daher wohl unausweichlich.

Schließlich konnte sich sogar der Green-Tea-Lolli von Chupa Chups behaupten. Leider steht er in Konkurrenz zum Cola-Lolli, wobei von einem Lolli mit Cola-Geschmack in Verbindung mit Grün-Tee-Aromen vorläufig noch nichts zu hören ist. Wenn sich da was tut, wird es aber zuerst in dieser Zeitung stehen. Denn die Zahl derer, die sich für West-Produkte mit Ost-Aromen interessiert, kann mindestens auf 1,3 Milliarden geschätzt werden.

Und umgekehrt begeistert der grüne Tee auch im Westen - solange er in Kaugummi-Streifen oder Cola-Flaschen daherkommt. Schon deshalb sollte man sich gerade an dieser Stelle stärker in Richtung grüner Tee und China positionieren. Denkbar wäre etwa die neue Serie "Die 100 grünsten Tees", besprochen und empfohlen von Kritikern des Feuilletons. Ex oriente lux.