CineMerit-Preisträger Jean-Jacques Annaud:Überwältigung der Wölfe

Lesezeit: 1 min

Jean-Jacques Annaud

Anders als die Jungs der Nouvelle Vague hat Jean-Jacques Annaud, Jahrgang 1943, Paris verlassen und Filme in aller Welt gemacht.

(Foto: Chema Moya/dpa)

Jean-Jacques Annaud, ein Franzose für die ganze Welt. Zu seinen bekanntesten Filmen gehört "Der Name der Rose" nach einem Buch von Umberto Eco, mit dem er Bernd Eichinger zu einem großen Erfolg verholfen hat.

Von Fritz Göttler

Der Wolf ist der Feind, keine Frage, er umschleicht die Herden der mongolischen Hirten und reißt ihre Tiere, mit raffinierter Gewalt. Und dennoch, erklärt der Filmemacher Jean-Jacques Annaud zu seinem neuesten Film Der letzte Wolf, achten ihn die Mongolen, weil er einen überlegten Kampf gegen die Menschen führt. Er sorgte für das Gleichgewicht in der Steppe. Nun, da die Wölfe verschwunden sind, ist ein großes Ungleichgewicht entstanden, das Land verkommt zur Wüste.

Die chinesischen Produzenten, die Annaud fragten, ob er nicht den Erfolgsroman Der Zorn der Wölfe von Jiang Rong verfilmen mochte, kannten und liebten sein Werk, sein Am Anfang war das Feuer und sein Bär gehören zum Programm an den Filmschulen, seine Duras-Verfilmung Der Liebhaber ist in China verboten - die Hauptfigur ist ein dekadenter Chinese in Indochina -, aber offenbar hat jeder den Film gesehen. Annaud nahm das Angebot an und machte den Letzten Wolf zu einem weiteren Kinotrip an den Rand der bewohnten Welt, in eine archaische Gesellschaft, die uns zurückführt an den Anfang der Geschichte. Und uns zeigt, wie die Menschen darum kämpfen, dass aus Gleichgewicht kein Ungleichgewicht wird.

Der internationale Ruhm von Der Name der Rose, von Bernd Eichinger produziert nach dem sagenhaften Welterfolg von Umberto Eco, hat den Rest von Annauds Werk ziemlich überschattet, in dem uns immerhin zwei Filme bereits tierische Protagonisten nahe brachten, Der Bär und Zwei Brüder. Und immer wieder inszeniert Annaud jenen unvergesslichen Moment, der überall gleich ist auf der Welt - den Moment der Überwältigung angesichts einer grenzenlos weiten Landschaft. (Am 29. Juni wird Jean-Jacques Annaud um 19.30 Uhr im Carl-Orff-Saal der CineMerit verliehen, dazu läuft Der Name der Rose. Sein neuer Film Der letzte Wolf wird am 2. Juli um 19 Uhr und am 3.Juli um 16.30 Uhr jeweils im Rio gezeigt.)

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB