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Kino und Fernsehen:Chuck Norris wird nicht 80 Jahre alt ...

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Erster großer Auftritt: Chuck Norris (rechts) mit Bruce Lee in "Die Todeskralle schlägt wieder zu" von 1972.

(Foto: imago/Prod.DB)

Der Actionfilmstar und Pionier der Meme-Kultur Chuck Norris hat die Aura absoluter innerer Ruhe - und Geburtstag.

Von Andrian Kreye

Es gibt bei langjährigen Kampfsportlern den Effekt, dass sich ein Händedruck mit ihnen ein wenig so anfühlt, wie ein gut durchgebratenes Porterhouse Steak. Bei einem wie Chuck Norris zementiert das die Aura absoluter innerer Ruhe nur noch, die er mit seiner biografischen Dreierwette als Actionstar, Konservativer und gläubiger Christ ja sowieso genießt. Was soll schon schiefgehen, wenn man Geld, Macht und Gott auf seiner Seite hat?

Die Kehrseite dieser unumstößlichen Selbstsicherheit, die er mit so vielen amerikanischen Konservativen teilt, ist der eklatante Mangel an Gespür für Ironie. Männer wie Chuck Norris kennen keine Zweifel und damit auch keine Zwischentöne. Das ist ihre Stärke als Heldenfigur. Das war aber auch immer die Schwäche des Actionfilmgenres, das erst in den Neunzigerjahren durch die doppelte Brechung des ironischen Antiintellektualismus der Feuilletons in den Kanon der Kultur einziehen konnte. Gerade weil sich diese Helden dem Filter der kritischen Männlichkeit, also der Kritik an Männerklischees entzogen. Wobei die Filme von Chuck Norris bis heute ausgeschlossen bleiben, weil sie den Heldenmythos im Gegensatz zu den Werken von Clint Eastwood oder Bruce Willis viel zu schlicht für ein ebenso konservatives wie ironiefernes Publikum feiern.

Seine Hollywoodkarriere begann als Kampfsportlehrer für Stars wie Michael Landon und Steve McQueen, der ihn auch ermunterte, selbst zu schauspielen. Den ersten großen Auftritt hatte er 1972 als Gegner seines Freundes Bruce Lee im Kung-Fu-Klassiker "Die Todeskralle schlägt wieder zu". In den Achtzigern war er der Star der Produktionsfirma Cannon Films in B-Movie-Serien wie "Missing in Action" und "Delta Force". Weltberühmt wurde er dann mit der Serie "Walker, Texas Ranger".

Was Chuck Norris zum besonders interessanten Fall macht, ist seine Rolle als Pionier der Meme-Kultur im Internet. Norris ist im Netz und auf Schulhöfen die vielleicht einzige Figur, die den Filter der kritischen Männlichkeit durchbrechen darf. 2005 fing es an, als ironische Sprüche über die unermesslichen Kräfte und Fähigkeiten des 28 Jahre jüngeren Actionstars Vin Diesel auftauchten, die dann bald von den "Chuck Norris Facts" abgelöst wurden.

Beispiele? Wenn Chuck Norris dividiert, bleibt kein Rest. Chuck Norris denkt nicht, er weiß. Als Gott sagte "Es werde Licht", antwortete Chuck Norris "das heißt bitte". Norris reagierte zunächst mit dem Hinweis, diese Witze seien ja durchaus humorvoll, aber doch keine Fakten, vielleicht würden sie aber das Interesse an seiner Arbeit, vor allem seinen Büchern wecken? Er hatte damals gerade seine Autobiografie veröffentlicht und auch schon Bücher über Zen-Buddhismus und Karate geschrieben. Konservativer Kolumnist ist er auch noch.

Inzwischen hat sich seine offizielle Webseite längst auf die Witze eingelassen und er selbst ein "Official Chuck Norris Fact Book" herausgegeben. Das knirscht, aber sein Eigenleben im Volksmund überschattet seine Werke um ein Vielfaches.

Und ja, der Händedruck mit ihm fand statt. Beim Dreh einer Folge "Walker, Texas Ranger", bei dem er kurz darauf eine Klapperschlange packen musste, die ihn in die Hand biss, worauf der Regisseur panisch vom Set floh. Im Krankenhaus stellte man fest - kein Gift im Blut von Chuck Norris. Der übrigens am 10. März 1940 geboren wurde. Lädt natürlich zum Fakt-Vervollständigen ein: Chuck Norris wird keine 80 Jahre alt ...

© SZ vom 10.03.2020/khil
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