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Christine Westermann im Gespräch:"Ich bin halt keine echte Kritikerin"

Show 'Zimmer Frei' - Christine Westermann

Christine Westermann hat einen Traum: einmal in der Woche, Freitag- oder Samstagabend die Zwei-Minuten-Buch-Empfehlung vor der Tagesschau.

(Foto: dpa)

"Zimmer frei" ist vorbei, aber das "Literarische Quartett" geht weiter. Christine Westermann über ihre Streitgespräche mit Maxim Biller und ihr Doppelleben als Büchernärrin.

Von Tobias Haberl

Seit es das Literarische Quartett wieder gibt, also seit Herbst 2015, gibt es ein paar gute Fernsehmomente mehr: nämlich wenn Christine Westermann und Maxim Biller sich streiten, verachten, kränken und - manchmal - versöhnen. Es geht dann um Bücher und Sprache, Anspruch und Stil und überhaupt die Frage, was das eigentlich ist: gute Literatur. Er, der dünkelhafte Schriftsteller, sie, die leidenschaftliche Buchliebhaberin.

Und da in den nächsten Tagen wieder viel über Bücher gesprochen wird, - es beginnt die Frankfurter Buchmesse - haben wir Christine Westermann getroffen, um mit ihr über das Lesen zu sprechen - immerhin moderiert sie auch mehrere Literatursendungen im Radio. Nach welchen Kriterien sucht sie ihre Bücher aus? Und natürlich auch: Wie ehrlich sind Bestsellerlisten? Wie echt oder inszeniert ist dieser ewige Zweikampf mit Biller? Und am Strand: lieber Goethe oder ein Krimi?

Als Mitglied im Literarischen Quartett muss sie sich jetzt stärker aus dem Fenster lehnen

Treffpunkt ist der Innenhof des Museums für Angewandte Kunst in Köln. "Da ist es ruhig", meinte Westermann, "da können wir ungestört reden." Erster Eindruck: Von wegen. Die Frau ist in Köln mindestens so beliebt wie der Dom. Alle paar Minuten kommt jemand, grüßt, stellt sich vor, charmiert, macht ein Kompliment. Sie nimmt das gerne an, diskret, sympathisch, uneitel. Und dann also doch zum Thema: Literatur.

"Ich bin halt keine echte Kritikerin", sagt sie, "wenn mir ein Buch nicht gefällt, lege ich es weg und fange ein neues an." Warum solle sie es fertiglesen, um dann mitzuteilen, dass sie es schlecht fand? Und trotzdem müsse sie sich jetzt, als Mitglied im Literarischen Quartett, stärker aus dem Fenster lehnen. Immer öfter bekommt sie Bücher von Verlagen geschickt mit dem Hinweis, das könnte ihr gefallen. "Ich lese also rein und oft ist es tatsächlich eine gute Geschichte, aber manchmal zu simpel gestrickt und ich denke: Mensch Leute, nur weil ein kleiner Junge mit Brille vorkommt, ist das noch lange keine Westermann-Buch."

Es macht Spaß, mit dieser Frau zu reden. Ganz nebenbei wünscht man sich vier freie Wochen und einen Stapel Bücher, um ihre Tipps abzuarbeiten. Ihr Traum: einmal in der Woche, Freitag- oder Samstagabend die Zwei-Minuten-Buch-Empfehlung vor der Tagesschau. "Würde funktionieren", sagt sie und verrät, welche Autorin sie gern in der Bestsellerliste sehen würde, wen sie auf der Buchmesse peinlicherweise nicht erkannt hat und was sie von ihren Kollegen Dennis Scheck und Elke Heidenreich hält.

Christine Westermann ist eine Büchernärrin, die zweimal lebt, einmal in der Wirklichkeit und einmal in Büchern. Welches Leben ihr besser gefällt, daran besteht kein Zweifel: "Im Urlaub", sagt sie, "lese ich gern mit Blick aufs Meer. Wenn aber jemand kommt und sagt: 'Hey, lass uns mal runter zur Strandbude laufen und ein Glas Wein trinken', kann ich ein Buch ganz schnell zur Seite legen."

© SZ.de/doer
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