Christine Kaufmann:In den Cinecittà-Studios machten sie keine Filme über Mädchen mit Blumen im Haar

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Beim Film wollte sie aber trotzdem gern bleiben, weil sie reisen durfte und ständig neue Leute kennenlernte. Bayern war dem Teenager bald nicht mehr genug. Sie ging nach Italien, wo die Herren in den Cinecittà-Studios genauso Kette rauchten wie in der Bavaria, aber immerhin keine Filme über Mädchen mit Blumen im Haar drehten. Eine Rolle in "Die letzten Tage von Pompeji" sorgte 1959 dafür, dass man in Hollywood auf das schöne Mädchen aufmerksam wurde. Es folgte "Stadt ohne Mitleid" mit Kirk Douglas, ein gnadenloses Antidot zum Sublimierungswahn des deutschen Nachkriegskinos.

Kaufmann spielte ein Mädchen in einer deutschen Kleinstadt, das von vier amerikanischen Soldaten vergewaltigt wird. Ein Prozess soll die Tat aufklären, aber das Mädchen gerät in die Kleinbürgerlichkeitsmühle der Nachkriegsjahre, wo Frauen zumindest eine Teilschuld an einer Vergewaltigung gegeben wurde. Eine Geschichte über verlogene Sexualmoral und männliche Demütigungsfantasien, die 16-jährige Kaufmann machte ihre Sache so gut, dass Stanley Kubrick sie unbedingt für "Lolita" haben wollte, aber das wurde ihr dann doch zu viel.

Bei den Dreharbeiten zu "Taras Bulba" lernte sie kurz darauf ihren späteren Ehemann Tony Curtis kennen, der sich Hals über Kopf in sie verliebte und für sie seine Frau Janet Leigh verließ. Die beiden bekamen zwei Kinder, und auch wenn die Ehe nicht lange hielt, sprach Kaufmann später immer sehr zärtlich und dankbar über diese goldene Zeit in Hollywood. Nach der Scheidung reiste sie durch Afghanistan und Indien, bis sie irgendwann beschloss, dass es an der Zeit sei, nach Deutschland zurückzukehren.

In "Monaco Franze" durchschaut sie gnadenlos den ewigen Stenz

Wer einmal Hollywood-Boden betreten hat und es dann wagt, wieder zurückzukommen, wird in Deutschland gerne hämisch empfangen, aber einige ihrer besten Rollen hat Kaufmann dann erst hier gespielt, Post-Hollywood. Sie wurde am Theater die "Skandalnudel von Peter Zadek", der sie am liebsten als verführerische Kurtisane besetzte, in der "Herzogin von Malfi" oder "Der Jude von Malta". Und sie wurde vom mürrischen Helmut Dietl für die Serie "Monaco Franze" engagiert, wo sie das genaue Gegenteil sein durfte, keine Lolita, keine Verführerin, keine Sexbombe, was ihr einen Riesenspaß machte. Sie spielte die Olga, Angestellte im Antiquariat von Monacos Frau, die den ewigen Stenz gnadenlos durchschaut und seine Weibertouren mit strengen Blicken durchs dicke Brillengestell torpediert.

Aber zu dieser Zeit war die Schauspielerei für sie schon mehr ein leidenschaftliches Hobby als der Hauptbroterwerb, weil "Anbetung und Ausbeutung" in diesem Beruf doch sehr einhergingen. Sie schrieb Bücher über Glück, Sex und Körperzufriedenheit, trat im Fernsehen auf, verkaufte Kosmetik und Lebensratschläge. Für manche sah das nach Abstieg aus, für Kaufmann war es lediglich konsequent, ab einem bestimmten Alter nur noch das zu tun, was sie tun wollte - für sich und nicht für andere. Als der Ruhm sie mit neun Jahren erwischte, habe sie eine sehr wichtige Lektion gelernt, sagte Kaufmann: "Man kann die Wellen nicht machen, man kann nur lernen, sie zu reiten." In der Nacht zu diesem Dienstag ist Christine Kaufmann im Alter von 72 Jahren in München gestorben.

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