Christian Ulmen ist Dr. Psycho Der Peinlichkeitsfanatiker

Seine Socken passen nicht zu einander, er trägt Bärchen-Boxer-Shorts. Als Fernsehpolizeipsychologe macht Christian Ulmen auf Pro Sieben wieder das, was er am besten kann: Er lotet die Schamgrenzen der Fernsehnation aus.

Von Senta Krasser

Der Fernsehpolizeipsychologe Max Munzl nervt. Anstatt sich wie jeder anständige Seelen-Detektiv auch noch selbst zu analysieren, analysiert er nur seine Umwelt, speziell die speziellen Kollegen von der Kölner Kripo, denen Munzl die Klatschen austreiben soll.

(Foto: Foto: dpa)

Zu sehen sind Munzls Spielchen in der neuen Krimi-Serie Dr. Psycho auf Pro Sieben. 45 Minuten dauert eine Folge, sechs Folgen sind im Angebot, in dieser Dosis kann man Munzl als Zuschauer leicht ertragen. Vor allem, weil Munzl von Christian Ulmen gespielt wird. In den Neunzigern schreckte Ulmen Polizisten vor versteckter Kamera (MTV), seine Zeit beim Musikfernsehen ist passé.

Pro Sieben und Christian Ulmen - auch diese Beziehung schien zerrüttet, als vor zwei Jahren nach nur einer Folge die Reality-Show Mein neuer Freund abgesetzt wurde. Nach Zuschauerprotesten kam die Serie im Spätprogramm unter.

Das Format war ein Experiment: Ulmen verkleidete sich, trieb seine Kandidaten als "neuer Freund" 48 Stunden lang in hochnotpeinliche Situationen, also in den Wahnsinn. Beinahe jedenfalls. "Wenn es eine Verbindung zwischen beiden Formaten gibt", sagt Ulmen, "dann ist es die des Austarierens von Schamgrenzen. Ein Hobby von mir." Die Folge: Man schämt sich für Munzl: Welcher Kerl trägt Shorts mit Bärchen-Muster?

Natürlich ist Dr. Psycho keine pure Krimi-Serie, Ulmen soll bei Pro Sieben irgendwie Comedy machen. Auf ihn zu hat Ralf Husmann, der auch Stromberg (mit Christoph Maria Herbst) verantwortet, den Comedy-Krimi geschrieben.

Ulmen gibt Munzl ein bisschen als Columbo in jung: vertrottelt, verlottert, verschlurft. Das Hemd ist falsch geknöpft, die Socken passen nicht zueinander. Dafür schießt regelmäßig Blitzgescheites aus Munzl heraus. Da lassen sogar Geiselnehmer, von denen die Pilotfolge erzählt, zermürbt die Waffen fallen.

Ulmen achtet genau darauf, nicht wie in einer Sitcom von Pointe zu Pointe zu hecheln, sondern auch Gefühlen Raum zu geben. Der Humor ist anders entwickelt als beim Büro-Ekel Stromberg. Stromberg ist mit Arschloch freundlich bezeichnet. Mit Munzl fühlt man auch Mitleid.

Das Feuer in seiner Ehe mit Lena flackert nur noch. Wenn Max das Haltbarkeitsdatum einer Konserve sieht und traurig feststellt, dass seine Beziehung nicht so lang gehalten hat wie der Eintopf, ist das auch eine rührende Liebeserklärung.

Annika Kuhl als Lena, Anneke Kim Sarnau, Hinnerk Schönemann, Roeland Wiesnekker (wurde bekannt in der exzellenten, wenig erfolgreichen Sat-1-Serie Blackout) und Ulrich Gebauer als Munzls Kollegen - die Besetzung passt. Der Text passt. Die Regie passt. Und sogar der Vorlauf stimmt: Die zweite Staffel der Pro Sieben Märchenstunde stimmt auf Ulmens Schau ein.

Jetzt braucht Pro Sieben nur noch Publikum, doch sein Publikum schätzte der Sender zuletzt nicht immer richtig ein.