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Christian Bale in Terminator:Und erlöse uns von der Ironie

Mit dem Charme hat Christian Bale Probleme. Dabei könnte er als wichtigster Schauspieler seiner Generation in die Filmgeschichte eingehen. Für "Terminator" ist das hilfreich. Eine Begegnung.

Es ist ein bequemes Sofa, auf dem Christian Bale an diesem Vormittag Platz genommen hat - und doch wirkt er so angespannt, als säße er auf der Stahlpritsche eines Militärfahrzeuges. Er sieht einen auch nicht mit dem freundlichen Blick einer ersten Begrüßung an. Seine Augen liegen tief zwischen seinen kantig gemeißelten Schädelknochen und mustern ihr Gegenüber mit aggressiver Skepsis. Christian Bale mag keine Journalisten. Journalisten mögen ihn auch nicht. Bales Laune ist auch deswegen so schlecht, weil er im Vorfeld zum Kinostart von "Terminator: Die Erlösung" in so ziemlich jedem Interview über jenen inzwischen schon legendären Vorfall sprechen soll, als er beim Dreh den Kameramann Shane Hurlbut vier Minuten lang anbrüllte und dabei 35 mal das Wort "Fuck" benutzte. Bale gibt darauf immer seine Standardantwort: "77 Tage haben wir gedreht - und alle wollen nur über die vier Minuten reden."

Bitterernst und gerade deswegen so erfolgreich: Christian Bale als John Connor in dem neuen Actionfilm "Terminator - Die Erlösung".

(Foto: Foto: ddp)

Für Bale bestätigt das viele Vorurteile. Und für die Presse bestätigt der Vorfall so einige Meinungen, die man sich über Bale gebildet hat. Sean Penn, Mel Gibson und Russell Crowe konnte man solche Ausbrüche eher mal verzeihen, weil sie auch über eine gehörige Portion Charme verfügen. Mit dem Charme hat Bale so seine Probleme - und deswegen auch mit der Presse. Dabei könnte Christian Bale durchaus als wichtigster Schauspieler seiner Generation in die Filmgeschichte eingehen.

Nicht unbedingt, weil der 35-jährige Brite ein so guter Schauspieler ist. Das sind Leonardo DiCaprio und Matt Damon auch, seine wichtigsten Konkurrenten bei den Besetzungen von Hollywoodfilmen mit dreistelligen Millionenbudgets. Es liegt vor allem daran, dass kein Schauspieler die Hollywoodmythen so konsequent umgedeutet und dabei den Nerv der zeitgenössischen Popkultur so gut getroffen hat wie Bale. An seinen beiden "Batman"-Filmen konnte man das schon sehen. In diesem Sommer liefert er mit "Terminator: Die Erlösung" eine Neuinterpretation der Terminator-Saga.

In beiden Fällen hat er im Kern alberne Popmythologien mit einer Ernsthaftigkeit und einer Intensität aufgeladen, die richtiggehend unangenehm sein kann, weil sie nicht jenen Abstand schafft, den man in Hollywood "Comic Relief" nennt. Damit sind jene befreienden Gags und one liner gemeint, die den prinzipiell ja mörderischen Actionfilmgeschichten ihren existentialistischen Stachel nehmen. Vielleicht war seine Arbeit mit Werner Herzog am Vietnamkriegsdrama "Rescue Dawn" auch deswegen so fruchtbar, weil Herzog eigentlich der perfekte Regisseur für Bale ist. Herzog brachte seine Arbeit mal mit dem Satz auf den Punkt: "Ich bin jemand, der alles sehr wörtlich nimmt, ich verstehe Ironie einfach nicht."

Hasta la vista, Gagschreiber

Nun war Ironie der eigentliche Kern der ersten drei "Terminator"-Filme, in denen Arnold Schwarzenegger als Kampfroboter durch das sonnige Kalifornien marschierte. "Terminator: Die Erlösung" ist dagegen eine postapokalyptische Tour de Force durch ein Kalifornien, das von einem Atomkrieg zerstört wurde, den das Maschinenimperium Skynet angezettelt hat, um die Menschheit auszulöschen und die Herrschaft über den Planeten zu übernehmen. Christian Bale spielt den jungen Rebellenkämpfer John Connor. Der wurde in den ersten drei Teilen als Knabe von zeitreisenden Skynet-Robotern gejagt, weil er in der Zukunft als messianischer Anführer des Widerstandes die Menschenrasse zum Sieg über die Maschinen führen sollte. In der Geschichte steckt immer noch viel von der Offenbarung des Johannes (John Connors Monogramm ist kein Zufall). Doch wollte man die "Terminator"-Filme theologisch einordnen, dann wären die ersten drei Teile barock-katholische Interpretationen - der neue, vierte Teil jedoch eher von protestantischem Fundamentalismus geprägt. Aber genau das trifft den Kern einer popkulturellen Generation, die sich von der Ironie ihrer Vorväter längst abgewandt hat.

Christian Bale ist sich dessen auch bewusst. "Die Zeit der Actionfilme mit den grandiosen one linern ist vorbei", sagt er. In "Terminator: Die Erlösung" gibt es kein "I'll be back!", kein "Hasta la vista, baby". Der Mangel an Ironie hat zwar ganz praktische Gründe. "Es gibt viel mehr Möglichkeiten, herumzualbern, wenn ein Terminator im Los Angeles von heute ankommt. Aber jetzt sind wir in der Zeit nach der Apokalypse. Ein absolut tragisches, folgenschweres Ereignis ist geschehen." Doch sowohl seine beiden "Batman"-Filme als auch der neue Terminator richten sich an eine ganz andere Generation als ihre Vorgänger.

"Als wir mit "Batman Begins" herauskamen, kannten die meisten Leute nur die kitschigen Versionen. Wir haben uns aber auf die Comicbücher von Frank Miller bezogen, der die Geschichte viel finsterer auslegt. Das sind aber die Graphic Novels, mit denen das heutige junge Kinopublikum groß geworden ist. Sie sind mit ganz anderen Comics, anderen Spielen aufgewachsen. Wir haben den neuen Terminator auch ganz bewusst als Antithese zu den früheren Filmen angelegt. In den späten achtziger Jahren hätten wir solche Filme nie drehen können."

Und das ist noch ein Grund dafür, warum die Kritiker mit Bale nicht warm werden. Die meisten stammen aus einer Popgeneration, die ja gerade durch die Ironie der "Terminator"-Filme zum so antiintellektuellen Genre des Actionfilms fand. Ironie aber hat keinen Platz in einer Popkultur, in der die wichtigsten Musikformen des Hip-Hop und des Rock von einem deutlichen Nihilismus geprägt sind, in der die weitgehend humorfreien Videospiele den Film als wichtigstes Medium abgelöst haben - und in der die Ironie als Anachronismus der dekadenten siebziger und achtziger Jahre gilt, deren Exzesse die Generationen X und Y ja letztlich um ihre Perspektiven gebracht hat. Selbst die Galionsfigur der Ironie James Bond kämpft sich da inzwischen humorfrei durch die Welt.

Bitterernster Lebenskampf

Für diese Generationen ist der Lebenskampf eine bitterernste Angelegenheit, und gerade deswegen trifft Christian Bale immer wieder ihren Nerv. Und wenn es ein Leitmotiv gibt, das sich durch seine Arbeit zieht, dann ist es dieser Bruch zwischen den popkulturellen Generationen. Zumindest, seit er sich vor neun Jahren mit seiner Rolle als Psychokiller Patrick Bateman in der Bret-Easton-Ellis-Verfilmung "American Psycho" als Hollywoodstar etablierte. Im Filmgeschäft arbeitet er zwar schon, seit er mit dreizehn die Hauptrolle in Steven Spielbergs "Das Reich der Sonne" spielte, aber dazwischen lagen Filme ohne Bedeutung. Der mörderische Zynismus, den Bale in "American Psycho" so überzeugend verkörpert hat, basierte ja auf Bret Easton Ellis epischer Abrechnung mit dem Wertekanon der ethisch korrekten 68er-Generation. Bale hat diesen Generationenkonflikt zwei Jahre später dann ganz wörtlich genommen: Als Sam in "Laurel Canyon", der mit seiner Freundin Alex, seine Mutter, die Rockproduzentin Jane, im einstigen Hippieparadies von Los Angeles besucht. Während Alex dem schlampigen Charme der Rockwelt nicht lange widerstehen kann, bleibt Sam bei seiner eisernen, humorlosen Disziplin.

Auch John Connor sieht Bale als Vorkämpfer eines Generationswechsels von epischem Ausmaß. "Ich sehe ihn als eine Art Achilles - er ist der beste aller Krieger, doch er kämpft auch mit der Führungsriege, verweigert sich ihrem Kampf. Auch Connor sieht die Anführer seiner Widerstandsbewegung als alte Garde, die nicht mehr relevant ist. Sie haben ihre Erfahrung in Schlachten gesammelt, die nicht mehr relevant sind. Er aber ist großgezogen worden, um gegen Maschinen zu kämpfen. Das weiß er, und deswegen ist seine Hybris auch seine Achillesferse. Denn weil er durch das Orakel seiner Mutter weiß, dass er der Retter der Menschheit sein wird, muss er andauernd sein Ego zurückschrauben. Denn er kann sich ja nicht einfach zurücklehnen und darauf warten, dass er diese Führung übernehmen kann. Er muss darum kämpfen."

Das ist viel Bedeutung für einen Actionfilm, in dem es letztlich doch vor allem darum geht, dass ein beeindruckend gruseliger Maschinenpark mit einem Höchstmaß an pyrotechnischem Aufwand zertrümmert, abgefackelt, gesprengt und pulverisiert wird. Das wäre jetzt der perfekte Moment, um den Pathos mit einem charmanten Satz zu entschärfen. Aber das würde nicht zu Christian Bale passen. So stützt er sein Kinn nur kurz auf die Fingerspitzen und mustert sein Gegenüber, als wäre die nächste Frage ein Angriff.

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