bedeckt München

Musiker:Jazzlegende Chick Corea ist tot

Corea bei einem Auftritt im Rahmen der 62. Grammy Awards im Jahr 2020.

(Foto: ROBYN BECK/AFP)

Der 23-fache Grammy-Gewinner verstarb im Alter von 79 Jahren. Er galt als einer der Gründerväter des Jazzrock.

Große Trauer in der Jazzmusik-Welt: Der Pianist und Mitbegründer des Jazzrock Armando Anthony "Chick" Corea ist tot. Der US-Amerikaner starb bereits am Dienstag im Alter von 79 Jahren, wie sein Management auf seiner Homepage mitteilte. Er sei den Folgen einer seltenen Krebserkrankung erlegen, die erst vor Kurzem bekannt geworden war.

In der Stellungnahme wurde auch eine letzte Botschaft Coreas übermittelt: Die Welt brauche mehr Künstler, wurde er darin zitiert. Er dankte seinen Weggefährten. Und weiter: "Meine Mission war es immer, die Freude am Gestalten zu bringen, wo immer ich konnte, und dies mit all den Künstlern zu tun, die ich so sehr bewundere - das war der Reichtum meines Lebens."

Nachdem der Sohn eines Trompeters und Bassisten bereits mit vier Jahren am Klavier gesessen und früh Unterricht genossen hatte, spielte er in jungen Jahren mit Saxofonlegende Stan Getz und Dizzy Gillespie zusammen. Beeinflusst wurde er sowohl von Herbie Hancock und Thelonious Monk als auch von lateinamerikanischen Rhythmen. Star-Trompeter Miles Davis erkannte Coreas Talent und nahm ihn statt Hancock mit auf Tour. Später sollte Corea mit ihm auch noch eine gemeinsame Welttournee hinlegen.

Corea war einer der bedeutendsten Jazz-Pianisten und -Komponisten der Gegenwart. Zwischen 1976 und 2020 wurde er 65-mal für den Grammy nominiert, 23-mal gewann er die wichtigste Auszeichnung der Musikwelt. Sein Album "Now He Sings, Now He Sobs" wurde 1999 in die Grammy Hall of Fame aufgenommen.

Publikum wie Kritiker faszinierte, dass dem Lockenkopf selbst die vielseitige und wandelbare Musikrichtung des Jazz offenbar nicht genug Raum ließ. Hinzu kam eine unverkennbare Liebe zum Spiel über fünf Jahrzehnte, in denen Corea als Bandleader und Solist mehr als 100 Alben veröffentlichte. Wie verbunden er der Musik war, zeigte sich schon daran, dass er nach einem gelungenen Konzert oft stundenlang allein weiterspielte, anstatt sich an einer Bar unters Volk zu mischen.

Den gern kolportierten Gegensatz von klassischer Musik und Jazz verkehrte Corea mit seinem Spiel oft ins Gegenteil, etwa mit seinem Album "The Mozart Sessions", das er mit Bobby McFerrin und dem Saint Paul Chamber Orchestra aus Minnesota aufnahm. Unvergessen dürfte die Aufführung seines zweiten Klavierkonzerts "The Continents" im Wiener Mozartjahr 2006 bleiben.

Kritisch wurde der Musiker wegen seiner Nähe zu Scientology gesehen. Corea machte keinen Hehl aus seiner Bewunderung für den Sektengründer L. Ron Hubbard, jahrzehntelang waren unter den Danksagungen zu seinen Alben auch solche zu Scientology zu finden.

© SZ/dpa/bix/jsa
Zur SZ-Startseite
Marilyn Monroe with Ella Fitzgerald

"Lost Berlin Tapes" von Ella Fitzgerald
:Ein Tisch ganz vorne für Marilyn

Ein wiederentdeckter Konzertmitschnitt aus Berlin zeigt, dass der Jazz von Ella Fitzgerald vor allem eines war: die Musik des Fortschritts und der Moderne.

Von Andrian Kreye

Lesen Sie mehr zum Thema