Wie gut kann man jemanden kennen? Für die Bewohner von Scauri ist die Sache klar. Sie alle kannten Vittoria Basile, wussten, wer sie war. Nämlich eine von ihnen. Eine Nachbarin benannte ihren Sohn nach ihr, ein anderer wollte ihr sein Boot verkaufen. Auch Lea Russo, Anwältin und eher Bekannte als Freundin von Vittoria, glaubte, sie zu kennen. Gerade deshalb kann sie sich nicht mit der neuen Situation abfinden, von der es ziemlich am Anfang von Chiara Valerios Roman „Blinde Flecken“ heißt: „Vittoria war tot, ohne dass ich gewusst hätte, warum.“
LiteraturWas weißt du über deine Nachbarn?
Lesezeit: 4 Min.

„Indem man Dinge erzählt, versteht man, wie viel sie wiegen, wie lang sie sind, welches Volumen sie entwickeln“, sagt die Mathematikerin, Schriftstellerin, Moderatorin und Journalistin Chiara Valerio.
Laura SciacovelliChiara Valerios Roman „Blinde Flecken“ fängt an wie ein Krimi und wird dann zur großen Geschichte über Frauenfreundschaften – vielleicht sogar Liebe. Ein Anruf bei der Schriftstellerin in Venedig.
