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Charlie Chaplin:Liebe und Bewunderung für gute Stimmung

Sie sehen ein Multimedia-Spektakel, schreiten durch die Leinwand in einige Kulissen seiner berühmtesten Streifen, können auch einfach nur Filme schauen. "Wir wollen das 20. Jahrhundert abbilden, aber mit der Technik des 21.", sagt Durand stolz. Gleichzeitig soll es ein "grünes" Museum werden: Die Energie kommt aus Sonnenkraft und Erdwärme, die Parkplätze verlieren sich in der Landschaft, und der 14 Hektar große Park mit den jahrhundertealten Bäumen und den Rosen, Chaplins Lieblingsblumen, er wird kaum angerührt, nur mit ein paar Skulpturen und Wegen versehen, die die Besucher zur weißen Kolonnadenfassade des Manoir führen, zu der berühmten Terrasse, auf der die Chaplins fast den ganzen Sommer verbrachten. Nur die Hirsche, die jetzt noch im Park wohnen, werden wohl ausziehen müssen.

Charlie Chaplin

Der Vagabunden-Chic

Die Schweizer Jahre. Von 1952 an brachten sie endlich Ruhe, vielleicht Zufriedenheit in Chaplins Leben. Freiwillig war er nicht ins Exil gegangen. Das Amerika der McCarthy-Ära hatte dem überzeugten Humanisten nach einer Europareise die Rückkehr verweigert. Mit seiner Frau Oona und den vier Kindern ging er in die Schweiz, die prominente Regisseure damals noch in Ruhe ließ. Und kaum Steuern verlangte. In Gstaad, wo er sich zuerst umschaute, war es ihm zu eng, dann entdeckte er das Manoir, "eines der schönsten Häuser Europas", wie Oona meinte.

36 Jahre Altersunterschied

Die hübsche Tochter des amerikanischen Dramatikers Eugene O'Neill hatte auf eine eigene Karriere als Schauspielerin verzichtet und ihr Leben in den Dienst ihres 36 Jahre älteren Mannes gestellt, dessen vierte Frau sie 1943 geworden war. Sie kümmerte sich um das neue Zuhause, hielt Chaplin, dessen Stimmung schwanken konnte, mit ihrer Liebe und Bewunderung bei Laune und brachte bis 1962 weitere vier Kinder zur Welt.

Täglich nach dem Frühstück trieb sie ihn zur Arbeit, die Chaplin bis zum Lebensende nicht losließ. Zwei große Spielfilme produzierte er noch in diesen Jahren: "Ein König in New York" (1957, mit Sohn Michael in einer Nebenrolle), den die Kritiker wohlwollend aufnahmen, sowie "Die Gräfin von Hongkong (1967, mit Marlon Brando und Sophia Loren), der zumindest in Großbritannien grausam verrissen wurde, was den durchaus eitlen Chaplin fürchterlich wurmte. Daneben schrieb er an seiner Autobiographie, schnitt alte Werke um, komponierte Filmmusik - und empfing im Manoir berühmte Künstler seiner Zeit, Jean Cocteau, Graham Greene, Noël Coward, Ian Fleming. 1972 erhielt er den Oscar für sein Lebenswerk - es war eine Art Versöhnung mit den USA - sowie einen britischen Adelstitel.

Stolz auf den Gast

"Mein Vater genoss das normale Leben in der Schweiz", sagt Sohn Eugene, geboren 1953. Chaplin tat viel, um einigermaßen heimisch zu werden am Lac Léman. Er ging zum Essen in die Stadt, besuchte Feste, schickte seine Kinder auf die Schulen der Umgebung, lud zu Empfängen in den Garten, spendete Geld. Das Französisch der Waadtländer aber lernte er nie, so wie er auch seine britische Staatsbürgerschaft behielt, weil er sich ohnehin als "Weltbürger" sah.

Die Schweizer waren außerordentlich stolz auf den berühmten Gast, was die Berner Regierung indes nicht daran hinderte, ihn in all den Jahren kontinuierlich zu beschatten, man konnte nie wissen, angeblich war er ja ein Kommunistenfreund. Die örtlichen Behörden verstanden auch keinen Spaß, als Chaplin sich über den Lärm eines Schießplatzes in der Nachbarschaft echauffierte, den er beim Kauf übersehen hatte. Er verlor die Klage, es wurde weiter geschossen, sonntags ab sieben Uhr morgens.