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Comics "The Walking Dead":"Wir haben unsere Leser immer geschockt"

Für den Comiczeichner Charlie Adlard gehören Bilder wie diese bis zuletzt zum Arbeitsalltag.

(Foto: AMC)

Zombies, zertrümmerte Köpfe, heraushängende Augen: 15 Jahre lang hat Charlie Adlard die Comicreihe "The Walking Dead" gezeichnet. Nun ist Schluss.

Die US-Serie The Walking Dead geht bald in die zehnte Staffel. Die gleichnamige Comicreihe, auf der die US-Serie basiert, wird jedoch eingestellt. Gerade ist der 193. und letzte Band erschienen. Charlie Adlard, der Zeichner hinter "The Walking Dead", ist über das Aus jedoch gar nicht so traurig.

SZ: Herr Adlard, Sie haben 15 Jahre für "The Walking Dead" Zombies gezeichnet. Ist das nicht verstörend?

Charlie Adlard: Ich bin da ziemlich unempfindlich. Nach 15 Jahren gewöhnt man sich daran. Schlussendlich ist es nicht anders, als würde ich einen Baum zeichnen. Nur bei Folterszenen war mir manchmal unwohl.

Inwiefern?

Aus technischer Perspektive ist es manchmal schwierig, Foltern so darzustellen, dass es nicht lächerlich wirkt. Einen zertrümmerten Kopf mit heraushängendem Auge realistisch zu zeichnen ist gar nicht so einfach.

Vergangene Woche ist überraschend die letzte Ausgabe erschienen. Dabei hatten Sie zusammen mit dem Autoren Robert Kirkman schon weitere Ausgaben angekündigt. Wie lange haben Sie das Comic-Aus geheim gehalten?

Bereits vor vier Jahren habe ich Robert gefragt, wann die Geschichte enden würde. Ob das zehn oder 50 weitere Ausgaben bedeuten würde, war mir nicht wichtig. Aber ich konnte nicht ahnen, dass Robert dasselbe gedacht hat.

Warum war es Ihnen so wichtig, dass das Ende der Comics ein Geheimnis bleibt?

Ich liebe die Idee so zu tun, als würde es weitergehen. Comic-Kollektionen enden meistens mit signifikanten Ausgabennummern. Aber anstatt mit Nummer 200 zu enden, hören wir einfach mit 193 auf, womit niemand gerechnet hat. Wir haben unsere Leser immer geschockt und gleichzeitig überrascht.

Aber Sie waren gar nicht von Anfang an dabei. Die ersten sechs Ausgaben wurden von Tony Moore gezeichnet.

In der Comic-Branche ist es generell seltsam, nach sechs Ausgaben den Zeichner zu wechseln. An anderen Comics wie Batman oder Spiderman waren über die Jahre viele verschiedene Zeichner beteiligt. Da ist man einer von Hunderten. Bei "The Walking Dead" hingegen gab es nur einen Stil. Trotzdem wollte ich Tony nicht imitieren.

Sondern?

Ich habe aus Tonys Hauptfiguren langsam meine Version entworfen. Bereits in der ersten Ausgabe, die ich gezeichnet habe, kam eine neue Figur dazu, die ich dann komplett entworfen habe. Tonys Charaktere haben sich über die Zeit aber auch visuell verändert, zum Beispiel wurden die Haare länger, und ich konnte deren Aussehen immer mehr beeinflussen.

Wo zeichnen Sie künftig Zombies? Oder für wen?

Wenn es eine Sache gibt, die ich nie wieder zeichnen werde, dann sind es Zombies. Horrorcomics schon, aber definitiv keine Zombies. Schon als ich zugestimmt habe, "The Walking Dead" zu zeichnen, fand ich die Zombies im Vergleich zu den Charakteren und der Welt, in der die Serie spielt, wenig reizvoll. Trotzdem werde ich wahrscheinlich für immer mit den Zombie-Comics verbunden sein.

© SZ.de/cag

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