Charity-Engagement George Michael, der stille Wohltäter

Fans legen Blumen vor George Michaels Haus in Goring-on-Thames, Oxfordshire. Viele trauern aber nicht nur wegen seiner Musik um den Popstar.

(Foto: Getty Images)

Er unterstützte Kinderhilfswerke, Aids-Stiftungen und half schon mal selbst in einem Obdachlosenheim: Georges Michaels Tod bestürzt nicht nur seine Fans, sondern auch viele Charity-Organisationen.

Als George Michael sich 1998 als homosexuell outete, war er bereits ein weltberühmter Popstar, verkaufte millionenfach Platten, trat mit Musikgrößen wie Aretha Franklin oder Elton John auf und füllte mit seinen Konzerten mühelos Arenen wie das Londoner Wembley Stadion.

Sein Outing bescherte ihm eine weitere Rolle: George Michael wurde zu einem Testimonial für die Rechte Homosexueller, die er auch finanziell unterstützte.

So engagierte er sich jahrelang für den Terrence Higgins Trust, eine Londoner Aids-Hilfsorganisation. Ihr Verein sei tief betrübt über den Tod des Sängers, sagte Sprecherin Jane Barron. Michael hatte den Erlös von "Don't let the sun go down on me", einem Duett mit Elton von 1991, dem Trust vermacht. "Mit seinen Spenden unterstützte er die Vision einer Welt, in der Menschen mit HIV ein gesundes Leben führen können, ohne Vorurteile und Diskriminierung", so Barron.

Als er mit Andrew Ridgeley noch Wham! bildete, spendeten die beiden Tantiemen aus "Last Christmas" für Bob Geldofs Hilfsprojekt Band Aid, bei dem George Michael später auch selbst mitwirkte.

Seinen Song "Jesus to a Child" hatte Michael seinem 1992 an Aids verstorbenen Freund Anselmo Feleppa gewidmet. Auch diese Verkaufserlöse spendete er wohltätigen Zwecken - sie gingen an die Kinderhilfsorganisation Childline. "Im Laufe der Jahre hat er uns Millionen zukommen lassen", sagt Gründerin Esther Rantzen. Er habe aber stets darauf bestanden, dass dies niemand erfahre. Im nächsten Jahr hätte die Organisation zu ihrem 30-jährigen Bestehen ein Konzert zu Ehren von George Michael ausrichten wollen. "Es ist besonders tragisch, dass wir ihn ausgerechnet an Weihnachten verlieren, dem Zeitpunkt also, an dem auch 'Jesus to a Child' veröffentlicht wurde", zitiert der Telegraph Rantzen.

Aber George Michael unterstützte nicht nur bekannte Hilfsorganisationen. Vor Krankenschwestern, die seine Mutter Lesley bis zu deren Tod gepflegt hatten, gab er einmal ein Gratiskonzert. Auch eine Krebsstiftung unterstützte Michael, außerdem half er freiwillig in einer Obdachlosenunterkunft aus. Nicht, ohne die anderen Helfer um Diskretion zu bitten, wie eine von ihnen auf Twitter berichtet:

Auf Twitter kursieren zahlreiche größere oder kleinere Spendenaktionen Michaels. Dem Londoner Radio-DJ Mick Brown zufolge habe der Sänger jedes Jahr an Ostern in einer Charity-Radiosendung 100 000 Pfund gespendet:

Michael soll einmal einer Fremden im Café 25 000 Pfund geschenkt, einer verschuldeten Krankenschwester in einer Bar 5000 Pfund gegeben haben:

Als eine Teilnehmerin der TV-Sendung Deal or No Deal Geld für eine künstliche Befruchtung benötigte, unterstützte sie Michael mit 15 000 Pfund, wie Produzent Richard Osman twittert:

Anders als vielen anderen Prominenten war George Michael wichtig, dass seine Großzügigkeit geheim bleibe und sein wohltätiges Engagement nicht in die Schlagzeilen gerate. Warum genau, ist unklar. MTV soll er einmal erzählt haben, wie nervig Prominente seien, die sich gegenseitig für ihre Wohltätigkeit auf die Schulter klopften. Wenn überhaupt, sollte die Arbeit der Organisationen Aufmerksamkeit bekommen. Auf diese Weise konnte er im Stillen Gutes tun - was ihm nun viele danken.

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