Chanson Der Traum vom Chanson

Kabarettist, Tänzer, Musiker und Sänger - seine vielen Rollen und Talente bündelt Ecco Meineke nun in einem Chanson-Projekt.

(Foto: Kate Flaccus/Eccoland Entertainment)

Multitalent Ecco Meineke stellt im Lustspielhaus sein neues Album "Blattgold" vor

Von Oliver Hochkeppel

Wer sich für den "Eccoland-News"-Mailverteiler angemeldet hat, der bekommt schnell mit, welch multiple Künstlerpersönlichkeit dieser Ecco Meineke alias Ecco Di Lorenzo ist. Es reicht, sich das vergangene halbe Jahr anzuschauen: Mit der "Soultrain BaBaDee"-Tour war Ecco Di Lorenzo und his Innersoul im Juli als Soulman unterwegs, vom BR-Lauftreff bis zum Münchner Christopher Street Day; in kleinerer Besetzung ging es durch kleinere Clubs. Parallel dazu war Di Lorenzo aber auch wieder mit seinem Jazz Quartett auf Achse, unter anderem beim Regensburger Jazz-Weekend und mit seinem schon legendären Nat-King-Cole-Abend in Ingolstadt. Als Die Shtetlmusikanten spielte er im September mit Andi Arnold Klezmer, im Duo Las Caras Lindas mit der Sängerin Carolin Roth wiederum beackerte er das Feld der Latin-Musik. Und wer sich dazu flüssiger bewegen wollte, konnte den Herrn Di Lorenzo auch als Salsalehrer im Tangozentrum München (oder gleich privat) besuchen.

Vor wie nach der Sommerpause durfte man denselben Mann aber auch als Kabarettisten (und langjähriges ehemaliges Lach- und Schieß-Ensemblemitglied) Ecco Meineke mit seinem aktuellen Programm "Das Thema ist gegessen" auf diversen Kleinkunstbühnen erleben. Im Herbst und Winter präsentierte Meineke dann die nächsten Kunstausstellungen in seiner "GaGalerie" in der Reifenstuelstraße. Die ist ein wenig mit dem Salon Irkutsk verbandelt, wo er schon im Frühjahr seine Foto-Serie "Travellers" ausstellte und nun Folk spielte. In diesem Genre hatte er einst mit Werner Schmidbauer und Valerie McCleary angefangen und mit Anthony's Garden (da unter dem Namen Maurice Brox) noch unlängst die angesagteste hiesige Band dieses Fachs am Start. Zu Ende ging sein Jahr als Crooner der Swing Summit Bigband. Meinekes Blogs und seine Beteiligung an diversen Salons, Initiativen und Aktionen sind da noch gar nicht erwähnt, aber all das zeigt schon, dass sich da jemand erfolgreich von einer als eingeengt empfundenen Jugend als Soldatensohn in einer Militärsiedlung bei Kaufbeuren emanzipiert hat.

Die eigene Biografie spielt auch eine wichtige Rolle bei Meinekes jüngstem, Projekt, das als Einstieg ins neue Jahr gewissermaßen all seine Facetten bündelt. Wenn er an diesem Dienstag im Lustspielhaus sein gleichzeitig bei GLM erscheinendes Chansonalbum "Blattgold" vorstellt, dann hat das nämlich eine lange Vorgeschichten. Schon, was das Repertoire angeht. Den Titelsong hat Meinecke wie auch "Melancholie" und "Eva" schon 1981 als Zwanzigjähriger geschrieben. Ein Couplet wie aus den Zwanzigern und ein trauriges Kunstlied, dazu ein Liebeslied auf Französisch - das passte schwer in die damals sehr englischsprachige Musikwelt. Es waren jedenfalls Stücke, die Meineke seinerzeit nicht verwenden konnte und von denen er nur wusste: "Die müssen mal auf einem Chansonalbum zu hören sein." Ebenso wie sogar noch ältere Songs wie der im amerikanischen Folkstil gehaltene "Die Sonne von St. Nic", der das Album nun auch eröffnet, oder das theatralisch-kabarettistische "Hüpfe, meine Schöne, hüpf!" und der Sprechgesang "Der dritte Montag" aus den späten Neunzigern.

Der Startschuss zur Verwirklichung dieses Chanson-Traums fiel dann vor zwei Jahren beim Faschingskonzert für die Theatergemeinde im Prinzregententheater. Da kam das Gros des Repertoires ebenso bereits zusammen wie die Begleiter, die auch im Lustspielhaus mit von der Partie seine werden, vom Bassisten Alex Haas über die Tubistin Marion Dimbath bis zum Weltklasse-Vibrafonisten Tim Collins. Wie auch der wichtigste, gleichberechtigte Partner bei diesem Projekt, das eben keine One-Man-Show von Meineke ist: Pianist Andy Lutter, einst ebenfalls bei der Lach- und Schießgesellschaft (als musikalischer Leiter), zudem selbst ein versierter Chansonschreiber und bereits seit fünf Jahren in Meinekes Jazz Quartett, hat nicht nur gut die Hälfte der Kompositionen geschrieben, sondern das Ganze auch arrangiert und produziert.

Er lässt alle Stimmfarben Meinekes zur Geltung kommen, die souligen und jazzigen, aber auch die stark an Udo Jürgens erinnernden. Außer bei Meinekes Frühwerken auch bei zwei Wedekind-Vertonungen, bei der dem Kabarett entlehnten, aktuell anti-xenophobischen "Pastinaken-Polka", bei einem witzigen Gruß an die Jugend aus der Sicht des bereits nicht mehr Taufrischen ("Die Jungen") und bei einer modernisierten Version des Titelsongs "Self-fulfilling Prophecies" vom letzten Jazzalbum. Und nicht zuletzt bei der Schlussnummer, dem ins Deutsche übertragenen, aber ganz in seinem Stil gesungenen "Sie" von Charles Aznavour. Wenn diese noch vor seinem Tod entstandene Hommage verklungen ist, muss man erst einmal schlucken. Und versteht, warum Marianne Sägebrecht nach dem Abend im Prinzregententheater vor zwei Jahren sagte: "Welch ein Glück, an diesem formidablen Ereignis teilnehmen zu dürfen. Meine Seele lachte und weinte." Diese Erfahrung kann man jetzt im Lustspielhaus auffrischen oder neu machen.

Ecco Meinecke & Andy Lutter, Dienstag, 8. Januar, 20 Uhr, Lustspielhaus, Occamstraße 8