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CD: The Strokes mit "First Impressions of Earth":Die Dauerfeier der Kabinettstückchen

Die New Yorker Gitarren-Rocker sind zurück - auch wenn sie nie wirklich weg waren. Casablancas und Konsorten schließen da an, wo sie vor vier Jahren angefangen haben. Und das ist gut so.

"They love you or they hate you but they will never let you be" - sie lieben oder sie hassen dich, aber sie werden dich nie in Ruhe lassen.

Zu cool um wahr zu sein und noch immer so schnoddrig selbstbewusst wie am Anfang - die Strokes aus New York.

(Foto: Foto: Dan Winters/SonyBMG.)

Da hat Julian Casablancas nicht ganz unrecht. Weil er aus Erfahrung spricht. Als er zusammen mit seinen Kollegen Nikolai Fraiture (Bass), den Gitarristen Albert Hammond Jr. und Nick Valensi sowie Drummer Fab Moretti 1998 die Strokes gründete, waren sie eine von unzähligen Bands in New York.

Doch schon 2001 gings rasant nach oben: Erfolgreiche EP und ein Debutalbum ("Is this it"), dass den Weg für so manche (Indie-) Gitarrenband der heutigen Zeit ebnete. Unter dem Titel "Platte des Jahres" lief gar nichts. Besonders die britische Musikpresse hatte die fünf Schlakse aus dem Big Apple sofort ins Herz geschlossen. "Ein aufrührerisches Feuerwerk der Gefühle, verpackt in poppigen Songs, bunt wie ein Farbfilm und doch wild und gewaltig", sinnierte der New Musical Express.

Ist der Ruf erst ruiniert...

Zwei Jahre später gab es "Room on Fire" - und der gute Ruf der Strokes war zumindest in Europa dahin. Nicht wirklich schlecht aber es war einfach nicht das, was der unerhörte Erstling versprochen hatte. Vom eigenen Trend überholt und stehen gelassen - so schien es.

Und wieder zwei Jahre später, im Jahr vier nach der New Yorker Revolution? Im Jahr, als Maxïmo Park oder die Kaiser Chiefs die Fans entzücken oder die neuen Himmelsstürmer Franz Ferdinand auch mit ihrem zweiten Album überzeugen?

Legen Casablancas und Co. am vorletzten Tag des Jahres ohne großen Pomp Longplayer Nummer drei vor. "First Impressions of Earth". Zuvor bei "secret gigs" der "globalen Superband" (SZ) auch im alten Europa getestet und für gut befunden.

Casablancas: "Das Album handelt davon, wie jemand aus dem Weltraum die Sachen objektiv betrachten würde, die sich auf der Erde abspielen." Aha. Aus rein irdischer Perspektive betrachtet, kann man einigermaßen erfreut feststellen, dass die Strokes zumindest ihre Experimentierfreude nicht verloren haben und selbstbewusst voranschreiten.

Das zeigen die einfachen Messgrößen: Früher kurz und knackig, kommt "First Impressions... " mit 14 Tracks in einer knappen Stunde daher. Das zeugt von einer vergleichsweise epischen Länge bei einer Band, der bereits der "Triumph des Stils über die Substanz" (Guardian) zugeschrieben wurde. Macht aber nichts.

Denn gleich zu Beginn machen die Fünf richtig Wind, der zwischenzeitlich ein wenig an Fahrt verliert aber dennoch erfrischt. "You only live once" erinnert bei den ersten Takten an Queens "I want to break free" und folgt dem Untertitel des Songs: "With a hundred ways to do a dozen things, why not try it all?".

Die erste Auskopplung ("Juicebox") beginnt mit einem satten wie dynamischen Bass-Brecher, der richtig Spaß macht. Beinahe so schnoddrig wie zu Zeiten von "Someday" und "Last Nite". Ähnlich kantig und roh auch "Vision of Division", bei dem Fraiture und Valensi richtig aufspielen dürfen.

Bar jeder Coolness lehnt sich der Refrain von "Razorblade" an Barry Manilows (ja, richtig gelesen) "Mandy" an und bei "15 Minutes" meint man, einem Pogues-Stück aufgesessen zu sein. Staunen, auch mal Irritation: Es sind einige Kabinettstückchen geboten in den "First Impressions...". Die Strokes erfinden sich dabei nicht radikal neu, sondern gehen auf ihre eigenwillig-ruppige Weise den Weg von "Is this it" weiter - das wird 2006 nicht annähernd so ein Beben hervorrufen wie 2001, aber es ist schön, dass sie da sind.

The Strokes, "First Impression of Earth" (RCA/SonyBMG)

1. You only live once 2. Juicebox 3. Heart in a cage 4. Razorblade 5. On the other side 6. Vision of Division 7. Ask me anything 8. Electricityscape 9. Killing lies 10. Fear of sleep 11. 15 Minutes 12. Ize of the world 13. Evening sun 14. Red light