"Cash Truck" im Kino:Horrortrip im Geldtransporter

CASH TRUCK

Superstar des Action-Kinos: Jason Statham in "Cash Truck".

(Foto: Christopher Raphael/Studiocanal)

Eine Sternstunde des angenehm proletarischen Action-Kinos: Jason Statham in "Cash Truck".

Von Doris Kuhn

Wenn man über "Cash Truck" schreiben will, muss man über den Hauptdarsteller Jason Statham schreiben. Er drehte seinen ersten Film "Bube Dame König grAs" 1998 mit dem Regisseur Guy Ritchie, und damit hatten beide so viel Erfolg, dass noch ein paar gemeinsame Filme folgten. In den nächsten Jahren drehte Statham mit John Carpenter, mit Michael Mann, außerdem die erfolgreiche "Transporter"-Reihe. Er blieb bei Gangsterfilmen von der schlaueren Sorte, trug sie im besten Fall ganz allein wie "Parker" oder "Wild Card", er hat eine wiederkehrende Ensemblerolle in "Fast & Furious". Es ist sicher die knackige Action, die ihm zum Erfolg verholfen hat, Statham war Sportler, kennt sich mit Kampfsport aus.

Aber das allein reicht nicht, um Stathams Wirkung zu beschreiben. Er hat etwas angenehm Proletarisches, das anderen Action-Stars fehlt. Mal abgesehen davon, dass die Reeves oder Neesons dieser Welt immer leicht albern wirken, wenn sie mit entschlossener Miene aufbrechen, ihre Gegner zu bekämpfen. Genau das passiert Statham nicht. Seine Figuren sind für großen Aufwand viel zu nachlässig. Sie möchten ihre Kraft nicht vor sich her tragen, sie machen wenig Zirkus. Und trotzdem - sobald Stathams Gangstercharaktere das Bild betreten, wird man wach, denn er gibt ihnen bei aller Ruhe eine Unberechenbarkeit, die gefährlicher wirkt als jede Drohgebärde.

Das spüren auch die Kollegen in der Geldtransportfirma, um die es in "Cash Truck" geht. Man lernt mit ihnen Abläufe und Mechanismen eines solchen Ortes kennen, das Innere eines Security-Unternehmens in Los Angeles. Dieses hier ist erstaunlich runtergekommen, als sei es in den miesesten Neunzigern steckengeblieben. Statham spielt Harry, genannt H, einen neuen Mann, der bei den Transporten als Wächter mitfahren soll. Beim Schießtest kommt er grad so durch, den Mund kriegt er nicht auf, aber seine Partner werden nervös, wenn er im Auto sitzt. Das machen sie durch Angeberei wett, womit sie dem Film ein paar irre Dialoge bescheren: Schlechte Männerwitze kommen mit schlechtem Männerpathos daher, man wird im Sekundentakt an das lang vergessene Wort Schwanzvergleich erinnert - und siehe da, das alles weckt tatsächlich Heiterkeit.

Regisseur Guy Ritchie zeigt, wie Menschen unter Druck zu Monstern werden können

Bis es zum ersten Mal knallt. H rettet die Lage und seine zwei Beifahrer dazu, schon redet ihn niemand mehr schwach an. Bei aller Dankbarkeit wird das Misstrauen gegen ihn jedoch nicht weniger, allmählich wird es Zeit, mehr über H zu erfahren. Da kommt dann Regisseur Guy Ritchie ins Spiel. Schicht um Schicht legt er die Beweggründe frei, die hinter dem Handeln seiner Figuren stecken. Die haben vordergründig nichts gemeinsam und keinerlei bösen Plan - bis Ritchie mehrfach den zentralen Moment des Films durchspielt, einen Überfall, gezeigt aus unterschiedlichen Perspektiven. Dabei gibt sich "Cash Truck" allmählich als Rachethriller zu erkennen, aber das klingt viel zu langweilig. Eigentlich beginnt Ritchie bei einer legalen Dienstleister-Realität, um dann abzuschweifen in etliche Unterwelten, die er näher an die Hölle rückt, als es das Action-Kino sonst wagt.

Die Gangster, die diese Welten bevölkern, betreiben ihren Beruf mit viel Gewalt. Ritchie allerdings setzt ihrem Alltag noch eins drauf, er gibt ihnen einen Grund für zunehmende Grausamkeit, was selbst manche Hartgesottene im Business überfordert. Er zeigt, wie unter Druck Monster entstehen können - die Figur seines Freundes Statham nimmt er da nicht aus. Dabei lässt er den Film immer mal wieder ans Horror-Genre rempeln: Die Bilder werden nicht vom Action-Schnitt zerhäckselt, sondern gleiten schwer und prächtig über die Leinwand, im Soundtrack hört man Country-Gassenhauer in fantastisch verzerrten Versionen. Das Licht nimmt ab, in allen Ecken sieht man schon Gespenster. Von den Menschentypen, die das Kino so anbietet, werden hier die Strategen gefeiert. Aber, soviel zeigt "Cash Truck", auch die sind hilflos gegen Monster.

Wrath of Man, USA 2021. Buch und Regie: Guy Ritchie. Musik: Christopher Benstead. Mit Jason Statham, Josh Hartnett, Scott Eastwood, Eddie Marsan. 119 Min. Studiocanal. Ab 29. Juli im Kino.

© SZ/dbs
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