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Carmen-Herrera-Ausstellung in Düsseldorf:Dasselbe in Grün

Fast 60 Jahre lang wollte niemand etwas von Carmen Herrera wissen. Jetzt malt sie immer noch, mit 102 Jahren. Und ihre Düsseldorfer Ausstellung ist ein Lehrstück darüber, wie die Kunstwelt funktioniert.

Von Michael Kohler

Ich liebe nichts mehr als eine gerade Linie zu zeichnen", sagt Carmen Herrera und dass sie kein Herz habe, um zu malen, sondern ein Gehirn. Mit dieser Entschiedenheit verfolgte Herrera dann auch ihre Karriere: Anfang der 1950er Jahre begann sie, so lange alles "Drum und Dran" aus ihren Bildern zu verbannen, bis nur noch geometrische Formen und jeweils zwei Farben pro Leinwand übrig waren. Auf dieser gedachten geraden Linie reiht sie ihre minimalistischen Gemälde bis heute auf. Im Alter von 102 Jahren ist Herrera zugleich Pionierin und Veteranin der abstrakten Nachkriegskunst. Allerdings hat das bis vor Kurzem niemand bemerkt.

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