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Cannes und berühmte Film-Frauen:Die fast Perfekten

Warum ziert Ingrid Bergman das aktuelle Cannes-Plakat? Und was hat Whoopi Goldberg mit einem Furzkissen zu tun? Zum Start der Filmfestspiele: eine Hommage an große Frauen des Kinos.

Von Julian Dörr und Johanna Bruckner

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Ingrid Bergman

Ingrid Bergman

Quelle: Getty Images

Frauenschwerpunkte sind en vogue bei den Filmfestivalverantwortlichen. Nach der Berlinale rückt nun auch Cannes weibliche Protagonisten in den Mittelpunkt - unter anderem mit seinem aktuellen Plakat, das Ingrid Bergmann ziert. Von heute an bis zum 24. Mai läuft an der Côte d'Azur zum 68. Mal das wichtigste Filmfest der Welt, die internationale Kinoelite ist zu Gast, die Goldene Palme wird verliehen. Zum Auftakt zeigen wir einige der interessantesten Frauen der Filmwelt - in selten gesehenen Porträts.

Ingrid Bergman hat vom europäischen Autorenkino bis zu den größten Hollywood-Schinken alles mitgemacht. Mit Humphrey Bogart stand sie auf dem Rollfeld in Casablanca, die Nazis im Nacken. Bogie und die Bergman, das Traumpaar des Kriegskinos. Auch im echten Leben gab es für die gebürtige Schwedin weder Rollen- noch Ländergrenzen. Sie drehte und liebte mit Roberto Rossellini in Italien. Ihr Landsmann und Namensvetter, Ingmar Bergman, der große Schwarzseher des europäischen Kinos, schenkte ihr 1978 in "Herbstsonate" die letzte große Rolle ihres Lebens. In diesem Jahr wäre die dreifache Oscargewinnerin 100 Jahre alt geworden. In Cannes ehrt man Ingrid Bergman deshalb mit dem offiziellen Festival-Plakat und dem Dokumentarfilm "In Her Own Words". Sie sei "eine moderne Ikone, eine emanzipierte Frau, eine furchtlose Schauspielerin und einer der führenden Köpfe eines neuen Realismus."

Die Bilder stammen aus der Datenbank von Getty Images, die Auswahl traf Pamela Grossman, bei Getty verantwortlich für die "Lean In"-Kollektion, in der Bilder von starken Frauen gesammelt werden. Für Grossman ist Ingrid Bergman "eine der größten Schauspielerinnen überhaupt".

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Whoopi Goldberg

Goldberg, Whoopi / Schauspielerin

Quelle: ullstein bild via Getty Images

Whoopi Goldberg ist dank ihres Humors berühmt geworden. Mit bürgerlichem Namen heißt sie Caryn Elaine Johnson, doch die heute 59-jährige Amerikanerin wurde mit ihrem Künstlernamen Whoopi zum Weltstar. Den entlehnte sie dem englischen Begriff für Furzkissen: "whoopee cushion". Freunde hatten ihr diesen Spitznamen verliehen, weil Whoopi redete, wie es ihr passte. Was raus muss, muss raus. Passenderweise feierte Goldberg (den Nachnamen hatte ihr die Mutter nahegelegt) ihren größten kommerziellen Erfolg als vorlaute falsche Nonne in den "Sister-Act"-Filmen. Die Oscargewinnerin (Beste Nebendarstellerin 1990 in "Ghost) sagt einmal in einem Interview: "Normal ist nur ein Programm bei der Waschmaschine."

(Whoopi Goldberg 1993)

Pamela Grossman wählte Whoopi Goldberg aus, weil sie "den Weg für schwarze Schauspielerinnen bereitete, als es nur wenige afroamerikanische Gesichter in der Mainstream-Unterhaltungsindustrie gab".

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Marlene Dietrich

Smoking Amy

Quelle: Getty Images

Die Dietrich. Deutschlands großer Exportschlager. Geboren in Berlin, gefeiert in Hollywood, gestorben in Paris. Marlene Dietrich war eine Stilikone, sie hat den Hosenanzug für Frauen erobert (Bild aus dem Jahr 1930). Ihre Karriere begann im Berlin der Goldenen Zwanziger, eine Zeit der künstlerischen Exzesse, in der alles möglich schien. 1930 gab Dietrich den blauen Engel, der Film wurde ihr internationaler Durchbruch. Mit Regisseur Josef von Sternberg ging sie in die Vereinigten Staaten. Ein künstlerisches Traumpaar, das Filme wie "Marokko" (1930) schuf, für den Dietrich eine Oscar-Nominierung erhielt. Während die Nazis Europa terrorisierten, engagierte sich die Neu-Amerikanerin für die US-Truppen. Nach dem Krieg arbeitete Marlene Dietrich als Sängerin - auch in ihrer alten Heimat Deutschland. Sie hatte ja noch einen Koffer in Berlin.

Pamela Grossman bewundert Marlene Dietrich, weil sie ihr Image immer streng kontrollierte.

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Shirley MacLaine

Shirley Maclaine

Quelle: Getty Images

Man muss es sich einfach vorstellen, wie Shirley MacLaine mit diesen Jungs um die Häuser gezogen ist. Mit Frank Sinatra, Sammy Davis Jr. und Dean Martin, dem berüchtigten Rat Pack. Es sind die Sechziger, Hollywood blüht und Frankie "Ol' Blue Eyes" verzaubert die Mädchen. Mit dabei: Shirley MacLaine, die große Schwester von Warren Beatty. Ein Geschwisterpaar, das sich der Schauspielerei von unterschiedlichen Seiten näherte. Der Bruder mimte den Outlaw im erstarkenden New Hollywood ("Bonnie und Clyde", "McCabe & Mrs. Miller"), die Schwester verlegte sich auf die Darstellung komplexer Frauenfiguren. Mit Billy Wilder drehte sie "Das Appartement" (1960); für ihre Rolle als labile Fahrstuhlführerin Fran gewann sie einen Golden Globe. In "Zeit der Zärtlichkeit" (1983) spielte sie Aurora, eine Frau die sich von ihrem traditionellen Frauen- und Mutterbild löst. Dafür bekam sie einen Oscar, den Silbernen Bären in Berlin und den Preis für die beste Hauptdarstellerin in Venedig.

In ihren aktuellen Memoiren "What if ..." stellt die Esoterikerin, die an Ufos glaubt, die Frage, ob die Opfer des Holocaust mit ihrem Tod für Sünden aus einem vergangenen Leben bezahlt hätten. Das macht Shirley MacLaine am Ende ihres Lebens zu einer traurigen Figur.

(Shirley McLaine 1964)

Pamela Grossman nahm Shirley MacLaine in ihre Frauenporträt-Reihe auf, weil sie sich eine "Karriere als eine der profiliertesten und meist respektierten Schauspielerinnen Amerikas" aufgebaut habe.

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Marilyn Monroe

Marilyn Monroe on patio outside of her home.

Quelle: LIFE Picture Collection/Getty

Was soll man noch schreiben über diese Frau? Alle Zitate sind zitiert, ihre Fotos sind längst ikonografisch (im Bild: 1953), Marilyn Monroe steht im Pantheon der Popkultur neben King Kong und Darth Vader. Wie viele große Figuren war auch sie eine tragische Heldin. "Blondinen bevorzugt" (1953), "Manche mögen's heiß" (1959) - ihre Filme sind Klassiker. Und verschwinden doch im Hintergrundrauschen des Lebens dieser Schauspielerin. Ein Leben, das keine Grenze mehr kannte zwischen Glitzerhülle und Intimsphäre. Ein Leben, das irgendwann keinen Halt mehr bot. 2012 gedachte man in Cannes ihrem 50. Todestag, ihr Schmollmund strahlte von den Festivalplakaten an jeder Straßenecke. Dabei war die Schauspielerin nie an der französischen Mittelmeerküste, ein einziger ihrer Filme lief einst im Programm. Die Mythos-Maschinerie um Monroe kümmert das wenig.

Für Pamela Grossman hat Marilyn Monroe eine "unauslöschliche Marke" in Hollywood gesetzt.

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Meryl Streep

Meryl Streep

Quelle: Getty Images

"Die Eiserne Lady" (2011) machte aus ihr endgültig eine goldene Lady. Für die Rolle der britischen Premierministerin Margaret Thatcher gewann Meryl Streep 2012 ihren dritten Oscar. 19 Nominierungen hat sich die Schauspielerin in ihrer Karriere erarbeitet - nur Katharine Hepburn strahlt noch heller, die hat zwar sieben Nominierungen weniger, dafür aber eine Statue mehr. Meryl Streep ist Hollywoods Grande Dame, wo sie spielt, jubeln die Kritiker. Dabei fing alles so klein an: 1978 in "The Deer Hunter". Ein Stahlarbeiternest in Pennsylvania, die Jungs ziehen in den Krieg, für das Vaterland, gegen die Kommunisten in Vietnam. Die Mädchen bleiben zu Hause. Eine davon ist Linda und die junge Meryl Streep spielte sie gleichzeitig so hauchzart und stark, dass die Academy sie für ihren ersten Oscar nominierte. Der Beginn eines vielseitigen Schauspielerlebens: In "Der Tod steht ihr gut" (1992) verdrehte sie sich für Bruce Willis den Kopf, in "Die Brücken am Fluss" (1995) verdrehte sie den Kopf von Clint Eastwood. Und auch den Teufel in Prada (2006) nahm man ihr ab. Nebenbei gewann sie Oscars und Golden Globes, in Cannes wurde sie 1989 für "A Cry in the Dark" zur besten Schauspielerin gekührt.

Pamela Grossman: "Heute ist sie beliebter denn je, und widerlegt das alte ermüdende Vorurteil, dass es keine interessanten Rollen für Schauspielerinnen jenseits der 30 gibt."

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Anna May Wong

Anna May Wong

Quelle: Getty Images

Anna May Wong (1905 bis 1961) war ein Kind aus dem Schmelztiegel. Die Nachfahrin chinesischer Einwanderer wurde zum ersten asiatisch-amerikanischen Weltstar. In der bigotten Gesellschaftsordnung der USA, die auch die Hollywood-Studios durchdrang, ein kleines Wunder. Anna May Wong verbrachte ein Leben auf der Bühne, sie erlebte den Stummfilm, den Tonfilm, den Farbfilm. Und sie kämpfte ein ganzes Leben lang gegen Stereotype und Klischees. Hollywood verbaute ihr wegen ihrer chinesischen Wurzeln und des asiatischen Aussehens den Weg zu vielen Rollen, sie war die "Dragon Lady", abonniert auf den Part der exotischen Schönheit. Auch eine chinesische Bauersfrau durfte Wong in "Die gute Erde" (1937) nicht spielen. Falsche Hautfarbe. Eine weiße Frau musste asiatisch geschminkt werden. Die deutsche Schauspielerin Luise Rainer übernahm und gewann den Oscar. An der Seite einer anderen Deutschen spielte Anna May Wong eine ihrer bekanntesten Rollen: In "Shanghai-Express" (1932) inszeniert Josef von Sternberg sie als Kurtisane. Neben Marlene Dietrich.

(Anna May Wong etwa 1925)

Obwohl es zu ihrer Zeit keine Gesichter wie ihres im Film gab, und obwohl ihr Vater strikt dagegen war, habe es Anna May Wong mit Entschlossenheit und dem Glauben an sich selbst zum Erfolg gebracht, schreibt Pamela Grossman.

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Juliette Binoche

'Sils Maria' Premiere - The 67th Annual Cannes Film Festival

Quelle: WireImage

Was ist eine Diva? Eine Schauspielerin, der man jede ihrer Rollen abnimmt - und die auf dem roten Teppich trotzdem einen großen Auftritt als sie selbst hinlegt? Eine Frau, die unerreichbar scheint, göttlich eben? Juliette Binoche, 51, ausgezeichnet mit einem Oscar (für "Der englische Patient", 1996), ist all das - und mehr. In Interviews gibt die Französin auch mal die Philosophin, zum Beispiel zum Thema Persönlichkeitsentwicklung: "Als ich 18 war, hat mir mein Theaterlehrer gesagt, man entwickelt sich nur durch Trennung. Das fand ich damals schlimm. Aber er hatte recht, man muss sich häuten wie eine Schlange. Man sucht sich selbst, lebenslang, man geht immer weiter diesem Ich entgegen, Schritt für Schritt, aber man ist sich niemals sicher. Man bewahrt das Unbekannte in sich auf."

(Juliette Binoche in Cannes bei der Premiere des Films "Die Wolken von Sils Maria", 2014)

Pamela Grossman beschreibt Juliette Binoche mit einem Wort: "atemberaubend".

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Jodie Foster

Jodie Foster

Quelle: Getty Images

Sie lebt den Beweis, dass früher Ruhm auch gutgehen kann. Dass er nicht unweigerlich den tiefen Sturz nach sich zieht. Jodie Foster war ein Kinderstar, sie spielte in den Siebzigerjahren im TV, in "Paper Moon" und in "Rauchende Colts". Jodie Foster ist aber auch ein Erwachsenenstar. Diese Brücke baute ihr Martin Scorsese. In dessen "Taxi Driver" spielte sie 1976 mit 13 Jahren die minderjährige Prostituierte Iris und gewann einen Oscar für die beste Nebenrolle. Zwei weitere Trophäen folgten, beide für Hauptrollen, eine davon für ihre Rolle als FBI-Agentin Clarice Starling in "Das Schweigen der Lämmer" (1991). Damals war Foster 29. Sie studierte Literatur in Yale, wurde unfreiwillig zu einer zentralen Figut beim Attentat auf US-Präsident Ronald Reagan (ein fanatischer Fan wollte die Schauspielerin mit der Tat beeindrucken), und drehte selbst als Regisseurin. Jodie Foster ist eine Schauspielerin, die in Kassenschlagern wie "Panic Room" (2002) ebenso gut funktioniert wie in Roman Polanskis Kammerspiel "Der Gott des Gemetzels" (2011). Und weil das alles noch nicht genug Arbeit ist, synchronisiert sich Foster in den französischen Fassungen ihrer Filme meist auch noch selbst.

(Jodie Foster 1976)

Auch Jodie Forster gehört zu Pamela Grossmans Kollektion. Begründung: Sie habe in einigen der bahnbrechendsten Filmen mitgespielt.

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Jane Campion

Jane Campion, Self Assignment, May 2014

Quelle: Contour by Getty Images

Wasser ist bei Regisseurin und Drehbuchautorin Jane Campion nicht einfach Wasser. Es ist immmer da, manchmal still und bedrohlich, manchmal stark und rau. In ihrem gefeierten Meisterwerk "Das Piano" steht Nebel über der Westküste Neuseelands. Eine stumme Frau zwischen zwei Männern und ein Piano am Strand. Das war 1993 und Campion gewann als erste weibliche Regisseurin überhaupt die Goldene Palme der Filmfestspiele von Cannes. Elf Jahre später kehrte sie zurück, als Präsidentin der Jury. Zuletzt drehte und schrieb die gebürtige Neuseeländerin die Mini-Serie "Top of the Lake": Ein Mädchen versucht sich in einem See zu ertränken, die Polizei beginnt zu ermitteln. Ein Erfolg bei Kritikern und Fans, eine zweite Staffel ist geplant. Unter der Aufsicht von Jane Campion, versteht sich.

Eine starke Frau, die Filme über starke Frauen macht - für Pamela Grossman gehört auch die Regisseurin Jane Campion zu den wichtigsten Frauen des internationalen Films.

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Maggie Smith

Maggie Smith

Quelle: Getty Images

Maggie Smith, persönlich in Cannes? Unwahrscheinlich. Orte, an denen sie erkannt werden könnte, meidet die Britin nach Möglichkeit. In einem Gespräch mit dem Daily Telegraph sagte sie im vergangenen Jahr: "Ich weiß nicht, wie Leute damit klarkommen. Was machen sie, die großen Filmstars? Was zum Teufel machen sie? Vielleicht verlassen sie nie das Haus." Das ist natürlich auch ein bisschen Koketterie, denn die 80-Jährige Smith ist seit 60 Jahren Schauspielerin, am Theater, in Fernseh- und Kinofilmen. Sie hat zwei Oscars gewonnen (1969 als beste Hauptdarstellerin in "Die besten Jahre der Miss Jean Brodie" und 1978 als beste Nebendarstellerin in "Das verrückte California-Hotel") und bekam von der Queen schon 1990 den Ehrentitel "Dame Commander of the British Empire" verliehen. Ihren jüngsten Ruhm verdankt Maggie Smith vor allem ihrer Rolle als gestrenge Hogwarts-Lehrerin Minerva McGonagall in der "Harry-Potter"-Reihe; außerdem spielt sie die Matriarchin Violet Crawley in der preisgekrönten britischen Serie Downton Abbey. Wer nun mehr über Maggie Smith erfahren möchte, sollte einen Filmabend einlegen - von Biographien hält die Frau, die mit ihren Erlebnissen vermutlich Bibliotheken füllen könnte, nämlich nichts. "Es ist endlos, all diese Bücher, die Menschen schreiben. Nichts liegt mehr im Verborgenen."

Im Bild: Maggie Smith in "Kampf der Titanen", 1981

Maggie Smith verleihe all ihren Figuren Tiefe und Haltung, sagt Pamela Grossman.

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Josephine Baker

Josephine Baker (1906-1975), American artist of mu

Quelle: Getty Images

Vom Vater verlassen, mit acht Jahren die erste Anstellung als Hausmädchen, Misshandlungen, wenn sie den Ansprüchen der Hausherrin nicht genügte, Straßenkind mit 13, Tänzerin mit 15, erster Auftritt in Paris vier Jahre später, wird als erotische Tänzerin über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt, Schauspielerin und Sängerin, engagiert für die Rechte der Schwarzen, Widerstandskämpferin im Zweiten Weltkrieg: Josephine Baker (1906 bis 1975) war der erste afroamerikanische Weltstar. Und eine Diva, daran lässt dieses Bild aus dem Jahr 1926 keinen Zweifel.

Für Pamela Grossman war Josephine Baker in mehr als einer Hinsicht eine "Revolutionärin".

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Nicole Kidman

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Quelle: Contour/Getty Images

In den Klatschspalten kam Nicole Kidman in ihren ersten Jahren in der Öffentlichkeit vor allem als Ehefrau von Tom Cruise vor; die beiden waren von 1990 bis 2001 verheiratet. Doch ihren Ruhm verdankt sie nur einer Person: sich selbst. Sie ist Schauspielerin, Oscargewinnerin, kühle Schönheit. Der 47-Jährigen, die mit dem Countrymusiker Keith Urban zwei Kinder hat (dazu kommen zwei Adoptivkinder aus erster Ehe), Gefühlskälte zu unterstellen, wäre aber falsch. Kidman ist das Gegenteil, sensibel, verletzlich - und lässt das auch in Interviews durchblicken. In einem Interview sagte sie über ihren Oscargewinn 2003 für "The Hours": "Gerade in Situationen, in denen man einen enormen beruflichen Erfolg erfährt, verstärkt das auf der anderen Seite das Gefühl für das, was einem im wahren Leben fehlt. Alle gehen nach Hause, nur man selbst bleibt allein zurück."

(Nicole Kidman 2008)

Pamela Grossman bezeichnet Nicole Kidman als "furchtlose Schauspielerin", die bereit sei, bis an die Grenzen ihrer Kunst zu gehen.

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Judy Dench

Judi Dench, The Hollywood Reporter, September 2013

Quelle: Contour by Getty Images

Sieben Mal war Judy Dench bislang für den Oscar nominiert. Einmal gewann sie: 1999 für "Shakespeare in Love" als beste Nebendarstellerin - obwohl ihr Auftritt als Elisabeth I. gerade einmal sieben Minuten dauerte. Aber Judi Dench hat auch jene Frau gespielt, die Männer vielleicht noch mehr bewundern als sämtliche Bond-Girls: Von 1995 bis 2012 verkörperte sie "M", die Chefin von 007. Da wirkt die Auszeichnung als "Dame Commander of the Order of the British Empire" für ihre Verdienste um die Kunst fast schon nebensächlich. Humor hat die Dame übrigens auch, 2014 sagte sie in einem FAS-Interview über ihre Ablösung als Geheimdienstchefin: "Ich habe schon überlegt, ob ich meinen Nachfolger Ralph Fiennes vor Beginn der Dreharbeiten zum neuen Bond anrufe, um einfach am anderen Ende der Leitung schwer zu atmen."

(Judi Dench bei den Filmfestspielen in Venedig 2013)

Pamela Grossman: "Dame Judi Dench gilt weithin als britischer Nationalschatz."

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Catherine Deneuve

Catherine Deneuve

Quelle: Getty Images

Blondes Mädchen mit Schleife im Haar, einen Welpen in der Hand. Der Eindruck dieser Schwarz-Weiß-Aufnahme aus dem Jahr 1962: süß. Dass das nur eine Facette von Catherine Deneuve ist, zeigte die französischen Schauspielerin in den folgenden Jahren. Inzwischen kann sie von sich jedes Bild schaffen kann, das sie möchte. In ihrem jüngsten Film "Madame empfiehlt sich" aus dem Jahr 2013 lehnt sie zum Beispiel im gelben Regenmantel an einem Auto und zieht an einer Zigarette, auf unnachahmlich schludrig-elegante Art und Weise. Dass es heute Platz für Ambivalenzen in ihrem Leben gibt, daran musste die 71-jährige Französin aber arbeiten. Auf die Frage, ob denn nicht Unvollkommenheit das Leben viel interessanter machte, sagte sie in einem SZ-Interview: "Stimmt, aber bis man zu dieser Erkenntnis kommt, muss man den ganzen Prozess des Strebens nach Perfektion durchlaufen."

Für Pamela Grossman gehört Catherine Deneuve zum "Film-Adel".

© SZ.de/rus

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