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Filmfestival:Cannes oder gar nicht

Cannes Festival abgesagt Corona

Die Schauspielerin Elle Fanning auf dem roten Teppich vor der Aufführung von "Once Upon A Time In Hollywood" beim Filmfestival von Cannes im vergangenen Jahr.

(Foto: Getty Images)

Lange hatte man auf einen Ersatztermin im Sommer gehofft, nun wird das Filmfestival von Cannes offiziell abgesagt. Einige Cannes-Filme sollen bei anderen Festivals laufen.

Von David Steinitz

Was sich längst abzeichnete, ist nun auch offiziell bestätigt: Das Filmfestival von Cannes wird 2020 wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Lange hatten die Verantwortlichen eine Absage hinausgezögert, zunächst auf einen Ersatztermin im Sommer gehofft - offiziell hätte die 73. Festivalausgabe am Dienstag eröffnet werden sollen.

Der künstlerische Direktor von Cannes, Thierry Frémaux, scheut sogar jetzt noch das offizielle Wort Absage. In einem Interview mit Screen Daily bestätigte er aber, wenn auch freundlich verklausuliert, was in der Filmbranche alle erwartet haben: "Unter den derzeitigen Umständen ist eine physische Ausgabe von Cannes 2020 schwer vorzustellen, also müssen wir stattdessen etwas anderes machen."

Cannes war zuvor erst ein einziges Mal abgesagt worden, während des Zweiten Weltkriegs, und einmal unterbrochen worden, während der Mai-Unruhen 1968, die von Paris ausgehend auch an der Croisette ankamen.

Ins Netz ausweichen will man nicht. Der besondere Geist von Cannes, Frühling an der Côte d'Azur mit Tausenden von Filmschaffenden, lässt sich nicht übertragen

Im Gegensatz zu vielen kleineren Festivals auf der ganzen Welt möchte der Streaming-Skeptiker Frémaux aber keine Online-Version als Ersatz. Das mag zum einen daran liegen, dass Cannes, immer noch das wichtigste Filmfestival der Welt, auch große Hollywoodfilme zeigt - und die Studios diese nicht einfach für eine Auswertung im Netz zur Verfügung stellen. Dieses Jahr war erwartet worden, dass unter anderem Wes Anderson seinen neuen Film "The French Dispatch" zeigen würde, auch über Christopher Nolans Actionthriller "Tenet" und Tom Cruises "Top Gun 2" gab es bereits Branchengeraune. Zum anderen lässt sich der besondere Geist des Festivals - Frühling an der Côte d'Azur, Tausende Filmschaffende aus der ganzen Welt auf engstem Raum in einem winzigen Städtchen an der Riviera - kaum aufs Internet übertragen.

"Cannes hätte nur so stattfinden können wie sonst auch, mit den Stars, der Öffentlichkeit, der Presse, der Branche. Wenn es aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist, dann ist es gar nicht möglich. Das Festival sollte sich immer von seiner besten Seite zeigen", sagt Frémaux.

Deshalb möchte er, zumindest als Trostpflaster, in Kooperation mit anderen Festivals, unter anderem in Toronto, San Sebastian, New York und Venedig, Teile des ursprünglich geplanten Programms dort als eigene Reihe unter dem Label "Cannes" zeigen. Dazu habe er bereits diverse "rührende Angebote" aus der ganzen Welt bekommen. Deshalb wollen sein Team und er Anfang Juni ein Programm präsentieren, das in der zweiten Jahreshälfte auf Tour gehen solle. Allerdings könnte all die anderen Großevents im Filmkalender, die auf Reisende von allen Kontinenten angewiesen sind, im Lauf der nächsten Wochen und Monate auch noch dasselbe Schicksal ereilen wie Cannes.

© SZ vom 12.05.2020

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