"Cairo Time" im Kino In einer weißen Stadt

Ägypten ganz anders als im arabischen Frühling: In "Cairo Time" fließt die filmische Liebeserklärung an eine Stadt mit einer Liebesgeschichte ineinander. Patricia Clarkson lässt sich als die Modejournalistin Juliette von den Sensationen der Stadt bezaubern und wird gleichzeitig empfänglich für die feinen Signale der Hingabe.

Von Anke Sterneborg

Die Gesänge der Muezzins über den Dächern, das Gurren der Schlagersängerin im Radio, das hektische Rauschen und Hupen des Verkehrs in der 17-Millionen-Metropole, die schwüle Hitze im Taxi - es dauert eine Weile, bis die Modejournalistin Juliette Grant (Patricia Clarkson) sich der Stadt Kairo angenähert hat.

Patricia Clarkson hat als Modejournalistin Juliette Grant in dem Kinosfilm "Cairo Times" eine große Hauptrolle ergattert. Bisher blieb sie in Hollywood eher im Hintergrund.

(Foto: dpa)

Zunächst ist sie vor allem verärgert und verwirrt bei der Ankunft, weil ihr Mann wegen Unruhen im Gaza-Streifen in seinem UN-Job unabkömmlich ist. Das bedeutet, Juliette ist auf sich allein gestellt in der fremden Welt, in der sie niemanden kennt - außer Tareq (Alexander Siddig), den ihr Mann an seiner Stelle zum Flughafen geschickt hat.

Zusammen mit Juliette wird man auch als Zuschauer immer stärker dazu verführt, sich dieser Stadt zu öffnen, so ähnlich, wie man einst mit Bruno Ganz Lissabon entdeckte, in Alain Tanners "Dans la ville blanche".

So wie damals fließt auch hier die filmische Liebeserklärung an eine Stadt mit einer langsam sich entwickelnden Liebesgeschichte ineinander. Juliette lässt sich von den Sensationen der Stadt bezaubern, und gleichzeitig wird sie auch empfänglich für die feinen Signale der Liebe, für einen zurückhaltenden Flirt, der sich eher an Blicken als an Berührungen, eher an Andeutungen als an Aktionen entzündet.

Als Kanadierin mit syrisch-palästinensischen Eltern hat die Filmemacherin Ruba Nadda viel Gespür für die Reibungen zwischen westlicher und östlicher Kultur, von denen schon ihr letzter Film "Sabah" erzählte. "It's complicated", sagt Tareq immer wieder, mit simplen Erklärungen ist den kulturellen Differenzen nicht beizukommen, aber die Emotionen sorgen zumindest für Neugier und Offenheit, sie öffnen die Augen und weichen die Fronten auf.

Patricia Clarkson, die gerade in einer ganzen Reihe von Filmen die Sinnlichkeit der reifen Jahre ausspielt, und Alexander Siddig mit seinen klassischen Zügen und dem besonnen geheimnisvollen Auftreten zelebrieren hier eine Liebe wie aus einer anderen Zeit, und um sie herum sind die Spuren der kolonialen Vergangenheit überall präsent - in den luxuriösen Hotels und Restaurants, mit mondänem Ausblick über den mächtigen Nil, umspült von perlenden Pianoklängen.

Die "Cairo Time" ist eine fremde Zeitzone, die es so nicht gibt auf dieser Welt - eine eigentümliche ägyptische Traumzeit, die mit dem arabischen Frühling gar nichts zu tun hat.

CAIRO TIME, Kanada/Irland/Ägypten 2009 - Regie und Buch: Ruba Nadda. Kamera: Luc Montpellier. Musik: Niall Byrne. Mit Patricia Clarkson, Alexander Siddig, Amina Annabi, Tom McCamus. Verleih: Alamode, 88 Minuten.

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