Burgtheater-Intendant Matthias Hartmann Königsdrama

Ist seine Krone los: Burgtheater-Intendant Matthias Hartmann, hier bei einer Pressekonferenz am 16. Mai 2013.

Aufstieg und Fall eines Egozentrikers: Matthias Hartmann, Intendant des Wiener Burgtheaters, wird aufgrund "erheblicher Verletzungen der Sorgfaltspflicht" fristlos entlassen. Das Theater steckt seit Wochen in einer virulenten Finanzkrise.

Von Wolfgang Kralicek

Die Karriere des Matthias Hartmann liest sich wie eine klassische Tragödie: Aufstieg und Fall eines Intendanten. Das Ziel Burgtheater - die größte Theaterinstitution des deutschen Sprachraums - hatte der ehrgeizige Regisseur von Anfang an vor Augen, und er erreichte es in Rekordtempo: Fünf Jahre Bochum, vier Jahre Zürich - dann war er in Wien. Doch auch das bittere Ende kam schnell: Noch vor Ende seines fünften Jahrs in Wien wurde Hartmann am Dienstag von dem für Kunst und Kultur zuständigen Minister Josef Ostermayer fristlos entlassen. Grundlage dieses in der Geschichte des Burgtheaters beispiellosen Akts war ein Rechtsgutachten, das Hartmanns Verantwortung für die seit Wochen virulente Finanzkrise des Theaters bewerten sollte. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Hartmann habe seine "Sorgfaltspflicht" als Geschäftsführer "erheblich verletzt".

Deutsches Theater München

Altes Haus ganz jung

Am Ende war es Hartmann nicht einmal mehr gelungen, ein Rücktrittsangebot so zu formulieren, dass man es auch ernst nehmen kann: "Tief betroffen von den öffentlichen Anfeindungen und Kampagnen", hatte er noch am Montag vorgeschlagen, "meine Funktion als Geschäftsführer des Burgtheaters bis zur Klärung aller Sachverhalte ruhen zu lassen". Teilweise, vorübergehend zurücktreten? Das war ein letzter, verzweifelter Versuch, sich aus einer Affäre zu ziehen, für die er bis zuletzt keine Verantwortung übernehmen wollte. Das Angebot des Ministers, von sich aus zurückzutreten, lehnte er ab; er will die Entlassung angeblich vor Gericht anfechten.

Raubkopie eines Theaterfürsten

Ans Burgtheater geholt worden war Hartmann einst vom damaligen Staatssekretär Franz Morak, einem ehemaligen Burgschauspieler. Morak präsentierte ihn damals als Vertreter einer "neuen Generation von Theaterleitern". Tatsächlich steht Hartmann für die Generation Gier, der die eigene Karriere im Zweifelsfall wichtiger ist als das Wohl ihrer Mitarbeiter.

Zugleich ist Matthias Hartmann die Raubkopie eines Theaterfürsten vom alten Schlag. Er gab sich egozentrisch und großmäulig wie Peymann oder Zadek, konnte diesen Vorbildern aber inhaltlich nicht das Wasser reichen. Wenig Größe zeigte Hartmann dann auch, als es eng wurde: Es ging ihm nur noch darum, seinen Kopf zu retten. Mein Königreich für ein Pferd.