In diesem Haus spukt es. Erst ist da nur ein Geist auf der Bühne, dann sind es sechs, acht, zwölf, zahllose Gespenster, die stumm durch die Zuschauerreihen ziehen. Sie sehen so aus, wie Kinder Gespenster malen: mit einem übergeworfenen Laken und ausgeschnittenen Augen. Erschreckend sind sie höchstens durch ihr überraschendes Auftauchen, dann vor allem sehr komisch in ihrem Herumwehen, für das sie sogleich von einem Obergeist mit Krone gemaßregelt werden. Benny Claessens tritt auf in schwarzer kurzer Hose und mit hochgezogenen Kniestrümpfen und schaut verwundert in die Geisterrunde: „Wie unterscheidet man, ob etwas Wirklichkeit ist oder nicht?“ Damit fasst er schon recht gut das Motto zusammen, unter dem dieser Hamlet von Regisseurin Karin Henkel steht. Alles kann hier sein oder nicht sein.
Burgtheater WienWer darf hier sein oder nicht sein?
Lesezeit: 4 Min.

Das Wiener Burgtheater startet mit Shakespeares „Hamlet“ und einem neuen Intendanten. Der Saisonauftakt macht Lust auf das, was kommt.
Von Christiane Lutz
