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Bücher von Jeff Bridges und James Franco:Hollywood Zen

James Franco "Rebel" Ausstellung im Museum of Contemporary Art

Einen Roman nennt James Franco sein neues Buch "Anonymous Actors", aber das ist es natürlich gerade nicht.

(Foto: Reuters)

Was kann uns amerikanisches Kino fürs Leben lehren? Zwei Filmstars, die es wissen könnten, haben sich nun an Ratgebern versucht: der Dude Jeff Bridges und das Enfant terrible James Franco. Und sie spiegeln sogar einander wider.

Jedes Mal, wenn der Schauspieler Jeff Bridges töpfert, bleibt ein Klumpen Ton übrig. Aus dem modelliert er dann - "ich lasse meine Finger einfach machen, ohne viel nachzudenken" - kleine Köpfe, mit eigenem Gesicht, eigener Ausstrahlung und Persönlichkeit, "und alle sind auch Gesichter von mir". Er erzählt das in dem Buch, das er mit seinem Freund und Lehrmeister Bernie Glassman herausgebracht hat. Es geht darin um Zen im Allgemeinen und um den Dude im Film "Big Lebowski", der Bridges zur Kultfigur gemacht hat, ums Leben in L. A. mit seinen Stars und seinen Erdbeben, um die Liebe und das Glück, das Engagement für die Gesellschaft und für den Film, den man gerade dreht, um Orson Welles und Picasso und Heraklit, um Spiel und Vorspiel, durchaus auch beim Koitus.

Amerikanisches Erzählen hat im 20. Jahrhundert mehr mit Schauspielerei zu tun gehabt als das Erzählen im Rest der Welt. Amerikanisches Leben ist Selbstdarstellung, eine Spiegelfechterei, die frei ist vom Zwang, sich auf eine feste Rolle festzulegen - amerikanische Neurosen sind nicht unbedingt Profilneurosen. Natürlich ist der Dude ein Egozentriker, aber bei Jeff Bridges, Jahrgang '49, spürt man, wie das Individuum, der Ich-Sager verschwindet im Erzählen und die Grenze zwischen dem Leben und dem Spielen, vor der Kamera, sich auflöst. Ein schöner assoziativer Fluss geht durch das Buch, in dem Hollywood wirklich zu einem Zentrum des Zen wird.

Jeff Bridges Buddha im Bademantel
SZ-Magazin
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Buddha im Bademantel

Jeder kennt den "Dude", den von Jeff Bridges gespielten Gammler aus dem Kultfilm "The Big Lebowski". Ein US-Zenmeister behauptet nun, der Dude sei in Wahrheit eine Art bowlender Buddha. Bei einer Veranstaltung in Los Angeles hat Bridges nach der Schnittmenge zwischen Buddhismus und Bummelantentum gesucht. Mit überraschendem Ergebnis.

Hier gibt es jede Menge Vorspiel und Vorspielen, auch in der Liebe, die Angst, sich zu verlieren

In der anderen Richtung ist James Franco, Jahrgang '78, unterwegs, auf die Quellen seines Lebens, seiner Profession zu. Er mag sich dem Fluss der Erzählung nicht anvertrauen in seinem neuen Buch, in dem der Erzähler sich hyperakzentuiert, hyperventiliert. Hier gibt es jede Menge Vorspiel und Vorspielen, auch in der Liebe, die Angst, sich zu verlieren, das Erschrecken, wenn das Leben in einer Fiktion aufwacht. Einen Roman nennt Franco sein Buch "Anonymous Actors", aber das ist es natürlich gerade nicht. Der Titel suggeriert Schauspielerei als Defekt, als Krankheit, die es zu kurieren gilt - das Ganze spielt sich ab im Schatten des Actors Studio, von Tennessee Williams, Brando und Steve McQueen, und die pragmatischen Ratschläge - die zwölf Schritte, die zwölf Traditionen des anonymen Schauspielers - schrammen so nah am Tautologischen vorbei wie in Europa einst Surrealismus und Situationismus.

Von Typen wird erzählt, für die sich Lektionen der Schauspielschule vermengen mit privaten Obsessionen, das bringt einen zu öden Jobs bei McDonald's und endet gar in nackter Prostitution, und James Franco lässt das richtig scheußlich werden. Er bleibt auch hier der penetrante Agent Provocateur in eigener Sache, naiv und abgebrüht, gnadenlos gebasht für seine Film-, Literatur-, Uni- und Museumsauftritte.

Wie viele Chaos-Bücher ist auch dieses von einem inneren Verlangen nach Einfachheit und Reinheit getrieben: "McQueen war sexsüchtig und schob einen Dreier nach dem anderen. Er hatte schon ewig Ibsens ,Ein Volksfeind' verfilmen wollen, und als er es endlich tat, sah sich niemand den Film an." Träumt Franco von einem Kino wie dem von Porter, Bresson, Ozu, Cassavetes, Kubrick . . .?

"Unser Erfahrungsschatz kann dem Schauspieler nicht zu einer besseren Darstellung, wohl aber zu einem besseren Leben verhelfen", schreibt James Franco, das ist, nach über hundert Jahren von Hollywoods Star- und Skandal- und Erfolgsgeschichte, eine erstaunliche Feststellung. In diesem Punkt spiegeln die beiden Bücher von Bridges und Franco einander wider. Hollywood Babylon = Hollywood Zen.

Filmstars aus Hollywood

Jetzt singen die auch noch

James Franco: Manifest der Anonymen Schauspieler. Roman. Aus dem Englischen von Hannes Meyer. Eichborn, Köln 2014. 318 Seiten, 16,99 Euro. E-Book 12,99 Euro.Jeff Bridges, Bernie Glassman: Der Dude und sein Zen-Meister. Aus dem Englischen von Maria Mill. Bastei Lübbe, Köln 2014. 221 Seiten, 16,99 Euro. E-Book 12,99 Euro.