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Bücher:Feiern und nachdenken

Das zehnte Literaturfest in München bietet ein großes Jubiläumsprogramm

Von Antje Weber

Mehr Jubiläen auf einen Schlag, das geht kaum: 60 Jahre gibt es nun die Münchner Bücherschau, zum 40. Mal wird der Geschwister-Scholl-Preis verliehen, und das alles gilt es im Rahmen des zehnten Literaturfests zu feiern. Kein Wunder, dass die Veranstalter bei der Pressekonferenz zum Literaturfest, das von 13. November bis 1. Dezember mehr als 120 Autoren in die Stadt bringen soll, in Festlaune waren.

Es muss ja nicht gleich überschwänglich sein. "Sieben Handlungsfelder" habe er als Leitlinie für die städtische Kulturpolitik formuliert, sagte der neue Kulturreferent Anton Biebl bei der Begrüßung, davon gehe er aber nur auf zwei Handlungsfelder ein: "Wir wollen die Demokratie stärken" und "Wir wollen nachhaltig handeln". Beides sei, so kann man seine Rede zusammenfassen, dem Literaturfest bisher hervorragend gelungen. Um weiterhin für "adäquate Rahmenbedingungen" für die Literatur zu sorgen, stellte er im Übrigen einen neuen Mitarbeiter vor: Der Germanist Michael Ott werde von sofort an den Bereich Literatur und Darstellende Kunst im Kulturreferat leiten.

Doch zurück zu den Jubiläen. Denn da fehlt noch eines: 30 Jahre Mauerfall. Der Jahrestag bot den Anlass, beim Schriftsteller Ingo Schulze anzufragen, ob er das diesjährige Forum:Autoren innerhalb des Fests kuratieren wolle. Er wollte, hatte jedoch keine Lust auf die Rolle des "Ostlers vom Dienst", sondern erweiterte das Thema: Unter dem Motto "Einübungen ins Paradies" werden sich daher Schriftsteller aus aller Welt, von Dževad Karahasan über Judith Schalansky bis Salman Rushdie, über die Auswirkungen der Zäsur von 1989 in verschiedenen Ländern und Zusammenhängen unterhalten. Wer will, kann danach bei spätabendlichen Salons der Münchner Verlage im Oskar Maria weiterdiskutieren. Und wer nicht kommen kann, zu dem kommen eben die Schriftsteller: in die Justizvollzugsanstalt Stadelheim, zum Beispiel.

Auch die Bücherschau im Gasteig hat sich in diesem Jahr ein eigenes Motto gegeben: Unter dem Titel "Das schöne Mysterium" kreise man aus verschiedenen Perspektiven um den Planeten, so Kurator Thomas Kraft, mit einer Astronautin und Autoren wie Raoul Schrott, Lena Gorelik oder Sten Nadolny. Und beim Kinder- und Jugendprogramm will man mit der neuen Reihe "Generation Z" das Augenmerk besonders auf die schwer zum Lesen zu motivierenden Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 20 Jahren legen.

Im Literaturhaus wiederum will man das Thema "Umbrüche", so die Geschäftsführerin Tanja Graf, mit der Feministin Reyhan Şahin alias Lady Bitch Ray oder dem Comiczeichner Riad Sattouf beleuchten. Und natürlich soll das mehrfache Jubiläum auch ordentlich gefeiert werden: Bei einer Literaturparty am 16. November geht es bei freiem Eintritt in der Muffathalle um "Books for Future" - und damit wohl bereits um die Grundlage der nächsten Jubiläen.

© SZ vom 02.10.2019

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