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Bücher:Europa raten

"Das Motto lag nah": Jan Wagner stellt Europa ins Zentrum seines Forum: Autoren beim Literaturfest.

(Foto: Volker Derlath)

Das 9. Literaturfest München ist politisch motiviert

Der Brexit - "ein furchtbares Wort", findet Jan Wagner; ganz zu schweigen von der Tatsache, dass mit diesem Brexit "der Ärmelkanal wieder etwas breiter wird", zumindest gefühlt. Als Antidot gegen politische Vergiftungen empfiehlt sich in diesem Herbst das Literaturfest und insbesondere das Forum:Autoren, das der vielfach preisgekrönte Lyriker kuratiert hat. Unter dem Motto "Schönes Babel. Europäische Lektüren" will der studierte Anglist vor allem ein ganzes Wochenende lang Schriftsteller aus Großbritannien und Irland ins Zentrum stellen, von Edward St Aubyn bis A.L. Kennedy - und das Thema unter dem Titel "Die schönen Inseln" einmal wieder positiv besetzen.

Die politische Lage bestimmt das neunte Literaturfest München in hohem Maße, das wurde bei einer Pressekonferenz im Literaturhaus schnell deutlich. Das Thema Europa in seiner Zerbrechlichkeit und Vielschichtigkeit bewertet natürlich auch Kulturreferent Hans-Georg Küppers als ein "Thema, wie es aktueller nicht sein könnte". Er glaubt, so ein Literaturfest könne "dazu beitragen, den Rechtspopulismus ein Stück nach hinten zu drängen". Und ist insgesamt sehr zufrieden damit, dass es in den vergangenen Jahren in einer Gemeinschaftsleistung gelungen sei, das Festival "zu einem Statement zu machen".

Nicht nur Jan Wagner will dabei ein politisches Statement zum Poetischen abgeben und Europa in seiner ganzen Vielfalt zeigen, mit Diskussionen ebenso wie mit drei "Europäischen Lyriknächten". Er hat große Dichter eingeladen, Adam Zagajewski aus Polen, Serhij Zhadan aus der Ukraine, Simon Armitage aus Großbritannien; aber auch weniger bekannte Dichterinnen und Dichter wird er einbeziehen, über die EU-Grenzen hinaus, von Mazedonien bis Albanien. Dabei gilt vermutlich immer wieder mal, was Wagner über die auf Irisch schreibende Lyrikerin Nuala Ní Dhomhnaill sagt: "Man wird nichts verstehen - aber es klingt herrlich!"

Sich auf so etwas einzulassen, muss man lernen. Doch selbst die Basis dafür, das pure Lesen, klappt heute nicht mehr selbstverständlich. Angesichts immer schwächerer Lesefähigkeiten von Kindern setzt die 59. Münchner Bücherschau im Gasteig daher wieder auf Leseförderung - mit bekannten Namen wie Kirsten Boie oder Jonathan Stroud, aber auch mit einem ersten "Literarischen Jugendquartett" von Jugendlichen für Jugendliche. Engagiert zeigt sich auch Thomas Krafts Erwachsenenprogramm, mit einem Fokus auf dem '68er-Jubiläum; Gretchen Dutschke und der Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar werden erwartet, aber auch ein Bestseller-Krimiautor wie Jo Nesbø. Das Literaturhaus wiederum stellt unter anderen den chinesischen Autor Liao Yiwu mit seinem neuen Werk vor, neben Maxim Biller oder Nino Haratischwili.

"Erkenntnisgewinn und Unterhaltung" gehören dabei nicht nur für Literaturfest-Leiterin Tanja Graf gleichermaßen zu einem Programm, das mehr als 80 Autoren zählt. Weshalb übrigens, zur Entspannung, während des Forum:Autoren auch eine Schnapsbar im Luitpoltblock steht. Küppers gibt allerdings zu bedenken: "Gute Gespräche sind nur mit klarem Kopf und nicht mit zu viel Klarem durchzuführen." Auch das: ein Statement.

9. Literaturfest München, 14. Nov. bis 2. Dez., Details unter www.literaturfest-muenchen.de

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