Buchverlag Schlitzohr und Bücherjunkie

Autorenflüsterer mit einem guten Gespür für Bestseller: Verleger Hans-Peter Übleis, 66, war seit 1998 Chef des großen Münchner Publikumsverlags Droemer Knaur.

(Foto: Robert Haas)

Droemer-Chef Hans-Peter Übleis geht in den Ruhestand

Von Antje Weber

"Er ist ein Schlitzohr und eine Krämerseele, halb Bücherjunkie, halb Kaufmann", schrieb die Bestseller-Autorin Nina George vor zwei Jahren in Das Magazin über ihren Verleger. Es war auch ohne Namensnennung überdeutlich, wen sie meinte: Hans-Peter Übleis, den Chef von Droemer Knaur. "Ich kenne ihn seit 1997", erinnerte sich die Autorin, "er hatte damals mehr Haare und ich weniger Gewicht." Es folgten fast 20 gemeinsame Arbeitsjahre: "Wir haben eine Beziehung, die sich vom Zoff über Cover-Entwürfe und über Geschichten zu einer Freundschaft entwickelte", verriet George, und obwohl sie in jenem Text darüber nachdachte, ob Autoren in digitalen Zeiten nicht auch ohne Verlag klarkommen, war ihre Aussage eindeutig: "Ich liebe meinen Verleger."

Dieser Verleger hat - und das ist eines seiner Erfolgsrezepte - ein ganz besonderes Talent dafür, Kontakte zu pflegen. Gerne erzählt Übleis selbst, dass er gerade wieder mit - nur zum Beispiel - seinem Autor Friedrich Ani ein Bier trinken war. Man sollte den gebürtigen Österreicher allerdings nicht als gemütlichen Typen unterschätzen; die Schlitzohrigkeit gehört schließlich auch zum Gesamtpaket dazu. Und dieses spezielle Übleis-Kombipaket hat ihn in der Verlagsbranche nach ganz oben gebracht.

Seit der Quereinsteiger, der Wirtschaft und Jura studierte, Assistent des Verlegers Fritz Molden in Wien wurde, sind mehr als 40 Jahre vergangen. Jahrzehnte, die Übleis bald nach Deutschland führten, unter anderem zum Heyne Verlag. Seit 1998 ist er nun als Geschäftsführer für die Verlagsgruppe Droemer Knaur in München tätig. Das ist eine lange Zeit an der Spitze eines der größten deutschen Publikumsverlage, der im Jahr 2014 einen Umsatz von 56 Millionen Euro auswies; doch die "Langstrecke" lag Übleis, der das Verlegen gern mit einem Zehnkampf vergleicht, immer schon mehr als die Kurzstrecke. An diesem Freitag ist sozusagen der Zieleinlauf: Der 66-Jährige übergibt - fast möchte man sagen: den Staffelstab - die Geschäfte an seine Nachfolgerin Doris Janhsen und geht in den Ruhestand; als Berater bleibt er dem Unternehmen allerdings erhalten. Außerdem ist er weiterhin Stiftungsvorstands-Vorsitzender des Münchner Literaturhauses. Es sieht nach einem guten Übergang aus; traf man Übleis in den vergangenen Monaten, so wirkte er, anders als man es von manch anderen scheidenden Verlegern gewohnt ist, froh gestimmt und gar nicht hadernd.

Dabei ist er gewiss nicht weniger ehrgeizig als andere; dass er 2013 vom Branchenmagazin Buchmarkt zum "Verleger des Jahres" gekürt wurde, machte ihn entsprechend stolz. Mit gutem Recht: Im Laufe der Jahrzehnte war er, wie man in seinem Haus nachgezählt hat, für um die 100 Nummer 1-Bestseller in Taschenbuch und Hardcover verantwortlich. Mit Stephen King, Thomas Harris, Waris Dirie feierte er große Erfolge, mit den Thrillern von Sebastian Fitzek ebenso wie mit den Erinnerungen von Helmut Kohl. Dass er letzteren bei zwei Abendessen davon überzeugte, bei Droemer zu publizieren, passt zu den Qualitäten, die für Übleis ein guter Verleger haben muss: Er muss "Autorenflüsterer" sein, "Psychologe, Schiedsrichter, Kommunikator, Freund". Nur dann werden über ihn Sätze geschrieben wie: "Ich liebe meinen Verleger."