Literaturstreaming aus Leipzig:"Leipzig liest" eben doch

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Pressekonferenz zu Lesefest ´Leipzig liest"

Was von Messen übrig ist: Pressekonferenzen vor spärlich besetzten Sälen und mit viel Abstand. Hier die Eröffnung von "Leipzig liest extra" im Jahr 2021.

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Wieder gibt es keine Buchmesse in Leipzig, aber ein ausgesuchtes Programm mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern, das man sich von zu Hause aus ansehen kann.

Von Marie Schmidt

Die Leipziger Buchmesse überwintert. Schon im zweiten Jahr in Folge musste sie abgesagt werden wegen der Corona-Pandemie, nachdem man sie erst hoffnungsfroh von März auf Mai verschoben hatte. Aber beharrlich, wie Büchermenschen so sind, geht es in Leipzig weiter, wird diese Woche eben doch Programm gemacht. Um den Bogen zu spannen, wie der Messedirektor Oliver Zille zur Eröffnung des Literaturfestivals "Leipzig liest extra" sagte, bis zum 17. März 2022, an dem er endlich wieder eine Messe mit anwesenden Leserinnen und Autoren auszurichten hofft.

Ein wenig Live-Publikum können sie in Leipzig auch dieses Jahr dank sinkender Inzidenzen wieder zulassen. Aber vor allem macht das mittlerweile erprobte Online-Streaming ein fein ausgesuchtes Programm von Lesungen und Diskussionen zugänglich. Die Buchmesse in Leipzig richtet sich immer viel stärker als die in Frankfurt an die Leute, die nicht in der Branche ihren Lebensunterhalt verdienen, an die Leser und Enthusiasten. Und denen sendet Leipzig jetzt etwa 400 Veranstaltungen nach Hause.

Zum Beispiel die Buchvorstellungen von Christoph Hein, Sophie Passmann, Claudia Durastanti, Volker Kutscher und Sebastian Fitzek. Registerwechsel zwischen literarischen Genres und Tonlagen gehören zum Genuss, wie auf einer richtigen Messe. Auch ARD und ZDF, die taz und die Wochenzeitung Freitag stellen in kuratierten Programmen Autorinnen und Autoren mit ihren Büchern vor.

In Leipzig wird aber vor allem auch diskutiert und europäisch gesprochen. Beginnend mit dem Buchpreis zur Europäischen Verständigung, den in diesem Jahr Johny Pitts bekommt. Sein Buch "Afropäisch. Eine Reise durch das schwarze Europa" erschien 2020 bei Suhrkamp. Nachträglich wird der Preisträger von 2020 geehrt, der ungarische Literaturwissenschaftler und Essayist László Földényi.

Über die Umbrüche Europas, 30 Jahre nach der Wende, reden unter anderem Anne Applebaum und Karl Schlögel am 27. Mai, nachmittags um 16 Uhr. Und ein gemeinsames Programm südosteuropäischer Länder verschafft an sechs Tagen einen Überblick über den "Archipel Jugoslawien - von 1991 bis heute" mit Autorinnen und Autoren wie Lana Bastašić, Tijan Sila, Sandra Gugić und Rumena Bužarovska. Die Historiker Marie-Janine Calic und Ivo Goldstein diskutieren am 29. Mai die Rolle Titos als "geliebter Diktator".

Portugal sollte eigentlich in diesem Jahr Gastland der Messe sein, hat seinen Auftritt verschoben, bringt aber jetzt schon seine besten Autoren mit zu "Leipzig liest". Einen Ausblick geben Isabela Figueiredo, Afonso Reis Cabral, José Luís Peixoto und Patrícia Portela am Freitag.

Jüngere deutschsprachige Autorinnen und Autoren, also die Literatur-Promis von morgen, lesen zwei Nächte lang, am Donnerstag und Freitag in der Moritzbastei, darunter Lisa Krusche, Markus Ostermair, Michel Decar, Jovana Reisinger und Daniel Wisser. Und neben einer ganzen Reihe weiterer Preise wird am Freitagabend der Preis der Leipziger Buchmesse in den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzung vergeben.

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