Süddeutsche Zeitung

Phrasenmäher:Brückenlockdown

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Armin Laschet greift mit einem neuen Begriff in die rhetorische Trickkiste. Seine Absicht ist klar.

Von Marc Hoch

Politik in Zeiten von Corona ist manchmal auch die hohe Kunst der Verschleierung. So hat der CDU-Vorsitzende Armin Laschet mit seiner kühnen Konstruktion des "Brückenlockdown" tief in die rhetorische Trickkiste gegriffen. Sprachwissenschaftler könnten von einem atmosphärischen Oxymoron sprechen - einem Wortpaar, in dem zwei Begriffe zusammengepresst werden, die einfach nicht zusammengehören. Denn was würde sich weniger eignen, als den hässlichen, freiheitseinschnürenden Lockdown mit den positiven Werten der Brücken-Metapher zu verbinden?

Was diese Werte sind, haben Simon & Garfunkel mit ihren ewigen Hit "Bridge over Troubled Water" im Jahr 1970 beschworen. Mit ihrem hohen Harmoniegesang machten sie die Liebe eines Menschen erfahrbar, für den die Brücke gleichsam zum Sinnbild der Liebe wurde. Aber man muss gar nicht bis in die USA gehen, um den positiven Gehalt der Metapher zu erkennen. Auch das Deutsche ist voll mit Wendungen, die das Verbindende betonen: eine Brücke schlagen, eine goldene Brücke bauen. Brücken sind atmosphärisch immer schön, und sie können auch in ganz konkreten Sinne schön sein: Wer je im bosnischen Mostar die "Stari Most" über der grünen Neretva gesehen hat, weiß das.

Laschet zielt mit seinem Begriff auf diesen positiven Gehalt und verbindet ihn mit dem Lockdown. Rein linguistisch könnte das sogar eine Leistung sein, weil er die abgenutzte Metapher in einem neuen Kontext belebt. Doch ganz sicher wird kein Art Garfunkel eines fernen Tages den Brückenlockdown besingen, denn die politische Absicht ist allzu klar. Wie schon beim "Lockdown light" sollen den Bürgern all die Entbehrungen und Begrenzungen der Grundrechte erträglich, ja versöhnend dargestellt werden. Die Brücke wird sprachlich missbraucht. Denn die Kluft zwischen ihr und dem Lockdown ist unüberbrückbar.

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