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Bruce Willis zum 60.:Weg mit dem Unterhemd

Mit "Stirb langsam" wurde Bruce Willis zum Star - doch der Film war auch ein Fluch für seine Karriere: Die Haudrauf-Rolle klebte an ihm wie ätzender Schweiß. Jetzt, mit 60, muss der gebürtige Rheinland-Pfälzer endlich nicht mehr so viel trainieren.

Ein altes Hollywood-Klischee besagt, dass in Los Angeles alle Kellner erfolglose Schauspieler sind. Bruce Willis war zu Beginn seiner Karriere aber nicht nur ein erfolgloser Schauspieler, sondern auch noch ein erfolgloser Kellner. Weil sein Boss ihm nicht mehr länger dabei zusehen wollte, wie er ungeschickt Teller und Gläser durchs Lokal balancierte, platzierte er ihn hinter den Zapfhahn an der Bar.

Dort trank gerade ein Casting-Agent, der noch eine winzige Barkeeper-Nebenrolle zu besetzen hatte und sich dachte: Den nehme ich. So kam Bruce Willis zum Film, und genau dort gehört er auch hin. Denn: Sein größter Vorteil gegenüber seinen Superstar-Kollegen aus dem Actionkino der Achtziger: Er kann tatsächlich schauspielen. Damit hatte er bereits als Kind begonnen, um sein Stottern loszuwerden.

Willis ist gebürtiger Rheinland-Pfälzer, er kommt 1955 in Idar-Oberstein zur Welt, als Sohn eines US-Soldaten und einer deutschen Mutter. Die Familie geht Ende der Fünfzigerjahre in die USA, wo Willis in New Jersey aufwächst und schließlich, nach der Highschool, nach New York geht. Dort probiert er sich in diversen Off-Broadway-Produktionen und erduldet das deprimierende Schauspieler-Tagesgeschäft des Vorsprechens. Willis zieht von Casting zu Casting und ergattert, wenn er Glück hat, ab und an eine kleine Rolle. So geht das ein paar Jahre lang.

Der große Durchbruch gelingt ihm 1985 mit der Fernsehserie "Das Model und der Schnüffler / Moonlighting", in der er sein ironisch-gebrochenes Macho-Dasein etabliert, das ihn bald zum Weltstar werden lässt.

In Hollywood kursiert zu jener Zeit ein Drehbuch mit dem Titel "Die Hard / Stirb langsam", das von einem muskulösen Schauspieler zum nächsten gereicht wird. Arnold Schwarzenegger hat keine Lust, auch Sylvester Stallone winkt ab. Also geht die Rolle des abgehalfterten Midlifecrisis-Cops John McLane schließlich an Bruce Willis.

Mit "Stirb langsam" kam 1988 der Durchbruch für Bruce Willis. Im Unterhemd.

(Foto: imago stock&people)

Mit "Stirb langsam" kreiert er einen Heldentypus, der zwar noch den klassisch-männlichen John-Wayne-Habitus verkörpert, aber in Form einer zynischen Selbstparodie - weil in den Achtzigern auch im Kino längst die Macho-Dämmerung begonnen hat. Mit vollem Unterhemdeinsatz und seinem "Ich brauche sofort ein Aspirin"-Blick karikiert er die alten Actionhelden, deren moralische Unfehlbarkeit keinen Platz mehr im modernen Kino hat. Willis schwitzt, Willis raucht, Willis feiert mit seinen Sprüchen eine beschwingte Misanthropie, die das Actiongenre zuvor nicht kannte.

Der Film wird ein Hit - und gleichzeitig zum Fluch für seine Karriere. Denn die Überrolle macht ihn zwar berühmt, legt ihm aber auch ein enges Korsett an: Rollenangebote kommen fast nur noch für Haudrauf-Fließbandware. Willis, der unbedingt auch andere Filme drehen will, versucht aggressiv, sein "Die Hard"-Image loszuwerden - und legt Anfang der Neunziger viele Flops hin, zum Beispiel den miserablen Erotikthriller "Color of Night", in dem er als farbenblinder Psychologe auftritt.

Aus dem Karrieretief rettet ihn 1994 Quentin Tarantino, der mit "Pulp Fiction" gleich eine ganze Reihe an Stars vor der Frührente bewahrt - so auch John Travolta, Christopher Walken und Harvey Keitel.

Seitdem ist Willis immer wieder in seinem legendären weißen Unterhemd zu sehen, in bislang vier "Die Hard"-Fortsetzungen und artverwandten Produktionen. Auch ein orangefarbenes Unterhemd streift er sich über und schwitzt es voll, für Luc Bessons Scifi-Hit "Das fünfte Element".

Aber es geht auch anders: Willis dreht mit Terry Gilliam die Zukunftsdystopie "12 Monkeys" und mit M. Night Shyamalan "The Sixth Sense", spielt in der Sitcom "Friends" und in Wes Andersons "Moonrise Kingdom". Aktuell steht er für Woody Allens nächsten Film vor der Kamera, gemeinsam mit Kristen Stewart und Jesse Eisenberg.

Solche Filme haben den Vorteil, dass er sich ein anderes Oberteil anziehen kann. Denn Willis, der an diesem Donnerstag 60 Jahre alt wird, mag nach eigener Aussage nichts weniger, als sich in unterhemdgerechte Form trainieren zu müssen: "Ich hasse Fitnesstraining, das mache ich nur für Filme. Sobald einer abgedreht ist, höre ich sofort wieder auf."

© SZ.de/cag/rus

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