Britney Spears, Mel Gibson und ihre Skandale Das Prinzip Vergebung

Wer Werke von bleibendem Wert schaffen will, braucht auch Dämonen, die ihn dazu antreiben, der darf nicht akzeptieren, was anderen als geltende Regel gilt, der muss die eigenen Untiefen nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch ausloten. Deswegen kann ein Mann wie Roman Polanski zwar nach wie vor nicht in die USA einreisen, weil es dort immer noch einen Haftbefehl wegen Verführung Minderjähriger gibt, aber in Abwesenheit den Oscar gewinnen, das geht sehr wohl, wie er vor vier Jahren mit dem "Pianisten" bewiesen hat.

Britney Spears.

(Foto: Foto: ddp)

In derselben Oscarnacht wurde auch Leni Riefenstahl, lange die politisch diskreditierte Künstlerin schlechthin, wieder in die Ehrenliste der großen verstorbenen Filmschaffenden aufgenommen.

Das also ist die gute Nachricht für alle Missetäter: Es gibt immer einen Weg zurück. Auch wenn es manchmal Jahre und Jahrzehnte dauert. Die schlechte ist, dass diese Begnadigung nur durch nachhaltige künstlerische Höchstleistungen erkauft werden kann.

Rein ins Pantheon, raus aus dem Pantheon

Wer gar nicht mehr kreativ tätig ist, so wie derzeit Britney Spears, hat es am schwersten: Selbst eine Lappalie wie das demonstrative Ausgehen ohne Unterhose wächst sich dann leicht zur Katastrophe aus, weil es die Botschaft vermittelt, die Frau lasse sich nun endgültig gehen und werde nie wieder einen Song produzieren. So erklärte zum Beispiel der Webmaster der Fansite www.worldofbritney.com, er habe alle Hoffnung aufgegeben und werde demnächst dichtmachen.

Dem schwulen Kollegen George Michael dagegen konnte nicht einmal sein unfreiwilliges Coming-Out bei der Verhaftung in einer Herrentoilette in Beverly Hills schaden, weil er das einfach zum Anlass nahm, einen Hit zu schreiben, der den Vorfall ironisch reflektierte.

Und jede Wette: Wenn Michael Jackson morgen mit einem neuen Song in der Qualität von, sagen wir, "Billy Jean" auf den Markt käme - ein ganzes Jahrzehnt voller Skandale, Prozesse und Verrückheiten würde sich bald in Nichts auflösen. Noch aber geht es ihm wie einst Fatty Arbuckle. Die Justiz hat ihn vielleicht von seinen Sünden freigesprochen, doch das Publikum hat ihn auf ewig aus dem Pantheon der Stars verbannt.

Du bist nicht lustig

Mel Gibson mag, was seine politischen Ansichten betrifft, ein gefährlicher Idiot sein, und die Entrüstung vieler jüdischer Hollywood-Größen war sicher berechtigt. Dennoch wird er nun wieder als Filmemacher wahrgenommen, der nicht nur geschäftlich voll auf der Höhe ist, sondern, sondern auch erhebliche künstlerische Risiken eingeht und damit durchkommt. Immerhin wird in seinem blutigen Stammes-Epos "Apocalypto" nur Maya gesprochen.

Mit so einem Film auf Nummer Eins zu landen, zeigt nicht, dass Geld in Hollywood von allen Sünden reinwäscht. Das tut es nämlich nicht. Es wird vielmehr als unwiderlegbarer Beweis von kreativer Potenz wahrgenommen - und nur das erklärt Gibsons schnelles Auftauchen auf der Nominierungsliste der Golden Globes.

Michael Richards dagegen, einst der verrückte Turmfrisur-Kramer in der Serie "Seinfeld", darf sich dagegen keine Hoffnung mehr machen. Einer der Schwarzen, die er von der Bühne herunter auf übelste Weise beleidigt hat, brüllt am Ende des Skandalvideos eine Replik in den Raum: "Du bist nicht lustig, du bist ein Versager, die hast nie einen Film oder eine Show bekommen, nur ,Seinfeld', das war's." Darauf hat der Komiker keine Antwort mehr - denn es ist einfach die Wahrheit.