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Britisches Supertalent: Susan Boyle:Die Braut für die Gänsehaut

Von der arbeitslosen Küchengehilfin zum Superstar: Die Schottin Susan Boyle triumphiert in einer Castingshow und tritt in die Fußstapfen von Opernsänger Paul Potts.

Susan Boyle wird bald bei Oprah Winfrey zu Gast sein. Das Angebot für einen Plattenvertrag hat sie bereits , einer Welttournee steht nichts im Wege. Mittlerweile existieren etwa zehn Susan-Boyle-Fanseiten im Netz, fast täglich gibt sie Interviews. Die 47-jährige Schottin ist seit einer Woche ein Superstar - Halbwertszeit unbekannt. Vergangenen Samstag war sie noch ein Nobody, eine arbeitslose Küchengehilfin in einem schottischen Dorf. Dann kam ihr Auftritt in der Show Britain's got talent im Fernsehsender ITV.

Susan Boyle auf den Spuren von Paul Potts.

(Foto: Foto: dpa)

Die Talentshow hat nun schon zum zweiten Mal über Nacht eine Weltberühmtheit geschaffen - mit einer modernen Adaption des Aschenputtel-Themas und mithilfe des Internet. Vor zwei Jahren hieß der Shooting-Star Paul Potts. Der Opernsänger tourt gerade durch Neuseeland. Die neue Sensation Susan Boyle ist genau wie Potts durch ein Youtube-Video berühmt geworden. Es zeigt ihren kurzen Auftritt und wurde in sieben Tagen 19 Millionen mal angeklickt.

Das von den Machern der Show zusammengeschnittene Filmchen ist genau so aufgebaut wie sein Vorbild: Zunächst gibt es einige mitleiderregende Worte, die vor dem eigentlich Auftritt aufgezeichnet wurden. Potts sprach damals von seinem mangelnden Selbstvertrauen, Boyle erzählt von ihrer Katze "Pebbles" und davon, dass sie noch nie geküsst worden sei. Danach marschiert sie auf die Bühne. Etwas verloren sieht sie aus in ihrem unvorteilhaft geschnittenen goldenen Kleid: Sie hat ein Doppelkinn, eine unmodische Lockenfrisur und spricht davon, dass sie gerne so berühmt wäre wie Elaine Paige.

Showproduzent und Juror Simon Cowell verdreht verächtlich die Augen, bläst die Backen auf, sein Kollege Piers Morgan runzelt die Stirn. Hier wird sich jemand ganz gehörig blamieren, lautet die Botschaft. Die beiden sind Profis: Sie haben schon Paul Potts vor seinem Auftritt wie einen Deppen dastehen lassen. Die Talentshow baut stets auch auf die Schadenfreude des Publikums. Die größten Blamagen stellt der Sender zu Hit-Listen zusammen: Steppende Rentner, ungelenke Tänzer, fürchterliche Sänger. Einen ungelenk über die Bühne hüpfenden Teenager bezeichnet Simon Cowell schon mal als "total nutzlos", worauf das Publikum den jungen Mann mit hämischen "Cheerio"-Gesängen verabschiedet.

Auch vor dem Auftritt von Susan Boyle dürfen einige Zuschauer in Großaufnahme feixend lachen. Doch dann stimmt sie "I dreamed a dream" aus dem Musical "Les Misérables" an. Sie ist schon nach wenigen Sekunden kaum mehr zu hören. Das Publikum tobt: Sie kann also tatsächlich singen. Die Juroren tun überrascht, lachen, applaudieren. Man sieht Zuschauer, die sich eine Träne wegwischen. Es ist der Moment, der Gänsehaut erzeugen soll. Nach den Standing Ovations fasst die Jury die Botschaft des modernen Märchens in einfachen Worten zusammen: "Jeder war gegen dich. Wir waren alle so zynisch. Das soll uns die größte Warnung sein."Noch deutlicher waren sie bei Paul Potts: "Wir haben hier ein kleines Stückchen Kohle, das sich in einen Diamanten verwandeln wird."

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