Brit Awards Die große Pop-Preis-Show

Kendrick Lamar, die "Foo Fighters" und Lorde wurden in London als beste internationale Künstler ausgezeichnet. Überraschender war der Preis für Michael Omari alias Stormzy, der als bester britischer Künstler geehrt wurde.

Von Jens-Christian Rabe

Für die Künstler und ihre Labels ist die Aufmerksamkeit, die auf großen Pop-Preis-Shows wie den am Donnerstagabend in London vergebenen Brit Awards liegt, ein Segen. Was gut fürs Geschäft ist, findet aber natürlich auch viel zu oft statt, jedenfalls wenn einem die Originalität von Musik nicht gleichgültig ist. Nicht nur die Brit Awards, deren Jury-Entscheidungen stark von den Interessen der großen Musikkonzerne beeinflusst sind, werden jedes Jahr vergeben. Es spielen also - die weltweite Aufmerksamkeit garantieren keine brillanten Geheimtipps - inzwischen überall dieselben Superstars die Hauptrollen auf dem roten Teppich, in den Nominierungslisten und auf der Bühne.

Die Preise für internationale Popkünstler gingen in diesem Jahr dementsprechend an die beinahe Allgegenwärtigen wie den Rapper Kendrick Lamar (Internationaler Künstler des Jahres), die amerikanische Rockband Foo Fighters (Internationale Band des Jahres) und die neuseeländische Sängerin und Songwriterin Lorde (Internationale Künstlerin des Jahres). Wenn man bedenkt, was beim deutschen Echo gerne so an internationaler Popmusik ausgezeichnet wird, kann man damit andererseits auch sehr, sehr zufrieden sein. Kendrick Lamar ist unbestritten das Rap-Genie der Gegenwart, Lorde eine wirklich außergewöhnliche Mainstream-Künstlerin, und Dave Grohl, der Kopf der Dampfstrahlrockband Foo Fighters, war einst immerhin der Drummer von Nirvana.

Eher einen Blick wert sind bei den Brit Awards im Zweifel die Preise, die ausschließlich an britische Künstler vergeben werden (es sind ja die Brit Awards) - und da gab es in diesem Jahr doch wenigstens eine kleine Überraschung: Nicht wie erwartet der im Moment unvermeidliche Sänger Ed Sheeran, sondern der Londoner Grime-Rapper Michael Omari alias Stormzy wurde Künstler des Jahres und gewann auch den Preis für das beste Album ("Gang Signs & Prayer"). Grime ist die etwas schnellere, rauere, oft einschüchternd düsterere britische Variante von Hip-Hop.

Die übrigen britischen Preise gingen dann wieder an durchschnittliche Saisonware wie den Sänger Rory Graham alias Rag 'n' Bone Man für seinen Hit "Human" (Song des Jahres) und die Popsängerin Dua Lipa, die sowohl als britische Künstlerin als auch als Newcomerin des Jahres ausgezeichnet wurde.