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Brauchtum - Bremen:Erstmals kein Bremer Senatsmitglied beim Eiswettfest

Bremen (dpa/lni) - Beim traditionsreichen Bremer Eiswettfest wird in diesem Jahr erstmals seit vielen Jahrzehnten kein Senatsmitglied der Hansestadt dabei sein. Dies sagte der Präsident der Eiswette, Patrick Wendisch, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. "Alle Fraktionen der den Senat tragenden rot-grün-roten Koalition haben in Bürgerschaftsanträgen den Boykott des Eiswettfestes durch Senatsmitglieder beschlossen. Wir haben diese Beschlüsse in unserer Einladungspraxis uneingeschränkt respektiert."

Wendisch bezog sich dabei unter anderem auf einen Antrag von SPD und Grünen vom Februar 2019. Darin hieß es: "Die Bürgerschaft (Landtag) erwartet, dass die männlichen Mitglieder der Bremischen Bürgerschaft und des Senats sowie weitere Repräsentanten der bremischen Verwaltung und Gesellschaften nicht mehr am Bremer Eiswettfest teilnehmen, bis die Bremer Eiswette den Ausschluss von Frauen als Repräsentantinnen Bremens aufhebt."

Wendisch betonte, die Veranstalter des Eiswettfestes seien souveräne Gastgeber. "Das ist eine Übergriffigkeit, die wir nicht dulden können", sagte er über die Forderungen. Sollten die Beschlüsse zurückgenommen werden, würde sich die Eiswett-Gemeinschaft freuen, die freundschaftliche Zusammenarbeit weiterhin zu pflegen. "Grundsätzlich kennen wir nur persönliche Einladungen und keine protokollarischen."

Nach viel Kritik an der reinen Männer-Veranstaltung dürfen in diesem Jahr erstmals seit rund 190 Jahren Frauen am traditionellen Eiswettfest in Bremen teilnehmen. Am 18. Januar 2020 werden Wendisch zufolge rund 770 Männer in Frack und Smoking sowie etwa 30 Damen in schwarzer Abendgarderobe erwartet.

Auslöser für die heftige öffentliche Debatte im vergangenen Jahr war, dass Bremens damaliger Regierungschef Carsten Sieling (SPD) seine Teilnahme wegen einer Trauerfeier absagen musste. Seine offizielle Vertreterin, die damalige Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne), durfte aber nicht teilnehmen. Zahlreiche Politikerinnen und Politiker forderten daraufhin, die Regularien zu überdenken und zu verändern. Einige forderten den Boykott der Veranstaltung.

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