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Booker Prize 2019:"Wunderbar anziehende, fesselnde Thriller"

Der wichtigste britische Literaturpreis, der Booker Prize, geht in diesem Jahr erstmals an zwei Autorinnen: Margaret Atwood und Bernardine Evaristo.

Die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood und die britische Autorin Bernardine Evaristo teilen sich den diesjährigen Booker Prize. Normalerweise wird der Preis an nur einen Gewinner oder eine Gewinnerin vergeben - doch habe die Jury des wichtigsten britischen Literaturpreises sich nicht zwischen Atwoods dystopischem Thriller "The Testaments" und Evaristos kaleidoskopischen Geschichten schwarzer Frauen "Girl, Woman, Other" entscheiden können, teilte der Jury-Vorsitzende Peter Florence mit.

Beide Bücher "richten sich an die Welt von heute und geben uns Einblick und kreieren Figuren, die in uns nachhallen", so Florence. "Sie sind auch wunderbar anziehende, fesselnde Thriller."

Atwood, die den Preis bereits 2000 für "The Blind Assassin" gewann, gehörte mit ihrem Nachfolgeroman zu "The Handmaid's Tale" zu den Favoritinnen. Wie der Vorgänger spielt "The Testaments" in Gilead, einer fiktiven Republik in den USA, wo junge Frauen gezwungen werden, mächtigen Männern Kinder zu gebären. "The Testaments" sei "wunderschön in seiner Tiefe und Erkundung der Welt von Gilead", sagte Florence. Es habe zu Beginn wie Science Fiction gewirkt, sei nun aber politisch aktueller als je zuvor. Atwood war bisher unter allen Autorinnen und Autoren am häufigsten nominiert: insgesamt sechsmal.

Evaristo ist die erste schwarze Frau, die mit dem Booker Prize ausgezeichnet wird. Die zwölf Figuren in "Girl, Woman, Other." hätten etwas "vollkommen Magisches", sagte Florence, "Sie zeigen ein wunderbares Spektrum von schwarzen britischen Frauen heute." Florence bezeichnete das Buch als "bahnbrechend".

Die Jury setzte sich mit der Vergabe an zwei Gewinnerinnen gegen die Organisatoren des Literaturpreises durch, auch mithilfe eines "Sit-Ins" im Raum der Jury, während die fünfstündigen Beratungen andauerten, wie Gaby Wood, literarische Direktorin der Booker Prize Foundation, mitteilte. Die Treuhänder hätten der Jury wiederholt mitgeteilt, dass es keine zwei Gewinner geben könne.

Florence dagegen hielt die doppelte Vergabe für vertretbar: "Ich denke, Gesetze sind unantastbar und Regeln sind an die Bedingungen anpassbar."

Der Preis wird seit 1969 verliehen und ist offen für englischsprachige Autoren aus der ganzen Welt. Er wurde zuvor zweimal an zwei Gewinner vergeben, die Regeln wurden nach dem letzten Mal 1992 geändert, um dies zu verhindern. Für Preisträger bedeutet der Preis häufig einen Anstieg der Verkaufszahlen und ihrer Bekanntheit.

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